Ostern und das Fest

Seit ich mich an meine Kindheit erinnern kann, habe ich schon immer alle Festtage gehasst. Genau wie meinen Geburtstag auch. Das lag daran, dass meine Eltern, als ich 2 Jahre alt war, in die Schweiz gegangen sind um Geld zu verdienen. Dies sollte uns ein einfacheres und glückliches Leben ermöglichen. Ich blieb bei meinen Verwandten. Abwechslungsweise lebte ich bei meiner Grossmutter und einer Tante, später dann irgendwann bei einer anderen Tante.

Jedes Jahr an Ostern und Weihnachten haben mich meine Eltern besucht. Das Gefühl von Sorge wegen der langen Reise und dann der bevorstehende Abschied von meinen Eltern, kannte ich also schon sehr Früh. Vielleicht übernimmt mich deshalb dieses seltsame Gefühl wenn ich in die Ferien komme. Meine Vorfreude ist meist schon wieder vorbei und ich zähle die Tage, bis die Ferien wieder vorbei sind. Irre.

An Ostern erinnere ich mich auch daran, wie in meinem Dorf im 1991 der Krieg ausgebrochen ist. Ich war noch in der Reha wegen meiner Hüftoperationen und meine Eltern sind über die Festtage gekommen. Deshalb konnte ich zu Hause übernachten und mein Vater hat mich jeweils in die Therapie gefahren. Eines Morgens gegen 3.00 Uhr hat mich meine Mutter geweckt und gesagt, dass ich mich nicht erschrecken solle, aber der Krieg habe angefangen. Da hörte ich die Gewehrschüsse auch schon richtig deutlich. Mein Vater ist sich informieren, wie man vorgehen sollte. Meine Mutter sagte uns, dass wir uns unter der Treppe verstecken sollen weil da die Wände doch so dick sind. Jedenfalls konnte mein Vater jemanden mit einem Fischerboot organisieren, der uns über den vom Hochwasser reissenden Fluss gebracht hat. Bis zu diesem Fischerboot musste mich mein Vater tragen, weil ich mit der frisch operierten Hüfte nicht laufen konnte. Ich dachte damals, dass sich wohl das Bargeld in Franken gelohnt hat. Seit diesem Osterfest lebe ich in der Schweiz und bin, ausser zur Beerdigung meiner Grossmutter, nie wieder in diesem Dorf gewesen. Zwei Tage nach meiner Ankunft in der Schweiz, wurden meine Eltern angerufen und ihnen wurde mitgeteilt, dass unser Haus von 3 Granaten getroffen wurde. Die erste ist natürlich in der extra dicken Wand unter der Treppe eingeschlagen.

Seit ich meine Kinder habe, haben diese Festtage eine andere Bedeutung für mich bekommen. Ich fühle mich schon immer wieder unter Druck gesetzt, etwas zu feiern, wobei ich immer schon ein unangenehmes Gefühl assozierte. Aber die Freude in den Augen meiner Kinder zu sehen, hat es in den letzten Jahren wohl geschafft, langsam selber etwas angenehmes dabei zu empfinden.

Heute waren wir bei meinen Eltern zum Essen eingeladen. Mein Bruder hat die alten Fotoalben rausgeholt weil wir vor haben, einige alte Fotos nach zu stellen. Dabei ist mir aufgefallen, dass es von mir Babyfotos gibt und dann erst die Fotos ab 1991. Genau so ist auch meine Erinnerung an diese Zeit, lückenhaft.

Nun, für dieses Jahr haben wir es bald geschafft.

Frohe Ostern!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s