Erstes Ski-Lager als Mutter!

An unserer Schule gehen die Kinder in der dritten Klasse, also mit 9 Jahren, für eine Woche ins Skilager. Wie schon mehrfach erwähnt, bin ich ein ganz grosser Kontrollfreak. Ich muss alles unter Kontrolle haben und für alle Eventualitäten vorbereitet sein. Ist einfach so, sonst werde ich nervös und unausstehlich. Das bedeutet aber nicht, dass ich nicht spontan sein kann!

In der Schule haben sie schon frühzeitig angefangen, die Kinder auf das Skilager vorzubereiten. Sie haben die Menüliste zusammen gemacht, die Ämtli verteilt. Es wurde erklärt, wie der Ablauf im Skilager ist und was man dort alles machen wird. Ich denke, die Lehrerin hat ihnen das soweit sehr schmackhaft gemacht. Jedenfalls hat sich mein Sohn, nach anfänglich kritischem Bedenken, sehr auf das Skilager gefreut. Er konnte es kaum erwarten bis sie endlich fahren können.

In den Monaten davor, hat mich der Gedanke daran schon sehr nervös gemacht. Mein Sohn ist vom Naturell her sehr abgelenkt. Er ist ein verträumtes Kind mit sehr viel Fantasie. Anders ausgedrückt: Er hört nicht zu, vergisst alle Anweisungen sofort und steht dann da und hat keinen Plan, was gerade besprochen wurde. Er musste halt über etwas viel wichtigeres nachdenken. Das weiss ich und ich kann es soweit auch nachvollziehen, weil ich ja auch so ein ADS Typ bin. Daher kommt auch mein Kontrollwahn…ohne Kontrolle endet alles im Chaos.

Der Sohn kennt sich selber auch sehr gut und spricht das am Wochenende vor dem Skilager auch an. „Mama, ich höre ja nicht so gut zu und meistens vergesse ich auch sofort alles. Was mache ich, wenn die Lehrerin uns Anweisungen zum Treffpunkt und Zeit gibt und ich höre das nicht? Es könnte sein, dass ich mich zwar sehr konzentriere und zuhöre und auf der Skipiste das vielleicht wieder vergesse und die anderen gehen ohne mich weiter…“  Tja, davor habe ich ja tatsächlich auch Panik. Und vor allem ist mein Sohn von der Art her so unscheinbar ruhig und könnte tatsächlich schnell vergessen gehen.

Wir haben also am Wochenende alles zusammen gepackt. Er fand mein organisiertes Vorgehen ziemlich cool! Mama, du machst das so gut und hast für alles einen Plan. So hat man total die Übersicht und vergisst praktisch nix. Hach, Balsam für die Seele sag ich da!

Erstaunlicherweise war ich an diesem Wochenende vom Kopf her völlig entspannt. Das Bauchgefühl kribbelte und versuchte all die Horrorgeschichten zum Kopf hoch zu funken. Immer diese Entscheidungen…Kopf oder Bauch. Ich habe mich jedenfalls sehr zusammengerissen und wollte nicht, dass sich meine Nervosität auch noch auf das Kind überträgt. Denn wir wissen, Kinder spüren und merken aaaaalles und meine kopieren unbewusst meine Stimmungen.

Sonntag um 22.30 Uhr machte mein Mann DEN Fehler. Er sagte zu mir, dass das Kind niemals die schwere Tasche und dazu noch die Skiausrüstung tragen kann. Sowas kann ich dann überhaupt nicht haben! Die Tasche war perfekt gepackt inkl. Schlafsack, Skihelm und den Skischuhen, die links und rechts in der Tasche verstaut waren. Also um 23Uhr noch die andere Reisetasche mit Rollen aus dem Keller holen und alles umräumen. Alles verstaut, aber ich wusste, dass das Kind die Tasche niemals alleine wieder zubringen wird. Der Mann verunsicherte mich tatsächlich noch ein mal mit der Bemerkungen, dass ihm die rollende Reisetasche im Schnee auch nix nützt. Hrmpf!

Am Montag, als wir im Auto sassen, hatte das Kind einen kurzen Moment von mimimi, Mama, ich habe doch etwas Angst. Erstaunlicherweise hat er sich sofort wieder gefangen und war bereit. Um 7.30 Uhr standen wir pünktlich auf dem Schulparkplatz! Das Gepäck und die Skiausrüstung wurde eingeladen. Ein Kind weinte, die anderen waren völlig aufgekratzt, die Eltern lächelten mehr oder weniger gequält. Kurze Verabschiedungsrunde und um 8.00Uhr fuhr der Car ab. Fort. Weg. In diesem Moment habe ich mir so sehr einen Schnapps gewünscht.

Die Tage ohne ihn waren echt hart. Ich hatte innerlich ein gutes Gefühl und eigentlich keine Angst. Es war tatsächlich ein richtig fieses Vermissen. Das schlimmste für uns war, dass wir keine Infos hatten – Funkstille von Montag bis Freitag. (Unsere Kinder waren auch schon für mehrere Tage bei meinen Eltern, da wussten wir aber, dass es ihnen gut geht.) Das ist ein ganz anderes Gefühl, man ist einfach machtlos und muss die Kontrolle abgeben! Der kleine Sohn hat sehr unter Brudervermissen gelitten und hat sich eine Streichliste mit Tagen bis zu seiner Rückkehr gemacht. Schon am Morgen wurde der jeweilige Tag zur Hälfte durchgestrichen.

streichliste

Jeden Tag, an dem keine Meldung vom Skilager kam, wusste ich, dass alles gut läuft. Sie würden nur dann anrufen, wenn etwas nicht gut ist. Also ist kein Anruf, ein gutes Zeichen.

Mein kleiner innerer Monk sass wimmernd in der Ecke und wurde vom Kontrollfreak immer wieder gestichelt!

Endlich war die Woche rum und am Freitag war ich dann doch extremst aufgeregt. Als dann die SMS kam, dass sie eine Stunde früher zurück kommen, da war kein Halten mehr. Ich musste also noch eine Stunde warten, bis ich sehe, ob er wieder aus dem Car aussteigt. In den letzten 30min. habe ich versucht, mich mit Gartenarbeit abzulenken bis ich den Car vorbeifahren sah. Zufall! So schnell habe ich noch nie meine Autoschlüssel gepackt und mit dem kleinen Sohn zur Schule gefahren! Dann war der Moment da! Die Kinder stiegen aus dem Car aus und ich war echt sehr angespannt! Da sah ich ihn! Ich sag’s euch, dieses Gefühl ist echt unbeschreiblich! Ich hab wie ein Groupie die Arme in die Luft geworfen und seinen Namen gerufen. Vermutlich fand er das ziemlich peinlich wie seine Mutter wie ein pickeliger Teenie ausgeflippt ist. Aber so war es! Ich war so erleichtert und glücklich und hätte am liebsten die ganze Welt umarmt. Da musste ich tatsächlich Freudentränen zurückhalten.

Der Sohn war glücklich! Etwas erkältet, aber sowas von tiefen entspannt und ausgeglichen. Überall um uns herum war die grosse Freude und die Erleichterung zu spüren. So ein herrliches Gefühl. Danach hat er erzählt und erzählt und erzählt.

Was ich ganz toll fand, waren die Geschichten, wie er sich um Problemlösungen bemüht hat. Er brauchte lange um alleine die Skischuhe anzuziehen. Also sei er jeweils 5min. vor den anderen in den Keller, damit er mehr Zeit hat. Oder wie er an einem Tag lieber nicht am Skirennen teilnehmen wollte, weil er bis zum höchsten Gipfel nicht fahren wollte (Höhenangst). Der Lehrerin das mitgeteilt hat und sich dann um ein verletztes Mädchen den ganzen Nachmittag im Haus gekümmert hat.

Wir sind in diesen 5 Tagen alle ein grosses Stück weiter gewachsen. Ich und mein Kontrollfreak – der Sohn und seine Selbstsicherheit. Ihm hat es sichtlich gut getan, selbständig und auf eigenen Beinen zu stehen. Das er diese Erfahrung machen konnte, hat mich unglaublich gefreut.

Als Dank für das tolle Erlebnis haben wir der Lehrerin eine schnelle Dankeskarte gebastelt und einen Schokoladenhasen beigelegt. Sofort kam eine Antwort von ihr, dass sie sich wahnsinnig über das Feedback gefreut hat.

Danke! skilager

Das war eine weitere Erfahrung für mich als Mutter. Das erste Skilager!

Auf Instagram und //platform.twitter.com/widgets.js„>Twitter habe ich gepostet: survived Skilager

skilager

Jetzt geniessen wir 4 freie Tage miteinander!

Habt ein schönes Osterwochenende,
Katarina

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