Trotzkind

Als Kind kannte ich Trotz nicht. Ich war ein sehr anstäniges, folgsames und gut erzogenes Kind – wenn wir zu Besuch waren. Auch sonst, würde ich sagen, machten meine Eltern, keine Trotzphasen mit mir durch. Nun ja, ich habe bis 12 Jahre auch nicht bei ihnen gelebt. Ich bin bei meiner Oma aufgewachsen und die wusste, wenn sie mich einfach machen lässt, da hat sie den ganzen Tag ihre Ruhe. Bis ich dann beim Eindunkeln nach Hause kam.

Jedenfalls musste ich ja im Krieg fliehen und das hat die Pläne meiner Eltern über den Haufen geworfen. So bin ich zu ihnen gezogen. Was war das für eine Umstellung, für uns alle. Plötzlich gab es jetzt Eltern um mich herum und die wollten mir sowas wie Regeln vorschreiben. In der Pubertät war das natürlich ziemlich spannend. Mein Vater ist ein sehr patriarchischer und rechthaberischer Mensch und ich bin sowas von Eigen-Willig. Jedenfalls eine explosive Mischung.

Später im Berufsleben ging das dann so weiter. Irgendwann merkte ich, dass ich mit Autorität ein Problem habe. Aber, in der Gesellschaft muss man sich anpassen und mit dem Strom schwimmen. Manchmal mehr und manchmal weniger. Das habe ich meistens auch gut hingekriegt. Ausser wenn ich Ungerechtigkeit erlebte, sowas mit Autorität gemischt, das wird dann sehr, sehr, ähm-hart?

Jetzt erzählt mir mein Neurologe, ich solle mich damit abfinden, dass ich durch die Fatigue, diese Drecksmüdigkeit, die verfluchte Erschöpfung, vermutlich nie wieder 100% arbeiten werde. Dieses Ziel, in nächster Zukunft noch Teilzeit arbeiten zu wollen, weil die Jungs ja Vormittags nicht zu Hause sind, das solle ich schön bleiben lassen.

Zack!

Da ist es wieder! Ich will jetzt ums Verrecken arbeiten gehen! Obwohl ich weiss, dass ich im alten Beruf keine Befriedigung mehr finden werde, weil ich in der Zwischenzeit kurz Teilzeit gearbeitet habe. Trotzdem wurmt mich das jetzt. Da ist mein kindlicher Trotz sofort wieder da! Wenn es heisst, dass ich etwas nicht machen darf/soll/kann da springt meine Sicherung raus.

Ich weiss, dass ich einen extremen Willen habe. Mein Wille hat mich in vielen Situationen vor dem Untergang bewahrt. Und jetzt? Jetzt sollte ich lernen etwas vernünftiger zu werden. Muahahaha…dabei könnte ich mich auf dem Boden wälzen. Was ich wirklich versuchen werde ist, meine Kinder durch ihre Trotzphasen besser zu begleiten. Zu verstehen, warum der Grosse diese Hausaufgaben so sinnlos findet, da er das Gleiche schon in der Schule gemacht hat.

Bitte lasst Galassenheit auf mich herunterregnen! ❤

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Ein Gedanke zu „Trotzkind

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