Schatten

Letzte Woche hatte ich nach drei Monaten wieder einen Neurologentermin. Der Termin dauert meistens eine Stunde, da aber mein Neurologe und ich viel und gerne erzählen, manchmal auch länger. Ich gehe sehr gerne zu diesen Terminen. Es kommt mir vor, als ob ich einen Bekannten über meine MS-Situation update. Wenn ich es nicht vergesse, erzähle ich ihm alles was in letzer Zeit an MS-Symptomen aufgetreten oder sich verändert haben. Eigentlich dürfen ja keine neuen MS-Symptome erscheinen weil da hätte ich mich sofort bei ihm melden müssen.

Ich bin meistens die, die Symptome gerne verharmlost. Im ersten Moment sage ich immer, dass es mir super geht und dass es von mir aus gerne so bleiben darf. Mein Neurologe weiss mittlerweile wie ich ticke und er weiss auch, dass ich gerne alles verharmlose. Keine Ahnung warum ich das mache. Jedenfalls behaupte ich lieber, dass es mir super gut geht, als diesen Schatten, Platz in meinem Leben zu lassen. Wenn ich ehrlich bin, sind viele Symptome wie ein Schatten. Sie sind immer da! Manchmal gelingt es mir sie zu ignorieren und manchmal eben nicht. Das ist aber ganz normal. Mein klitzekleines ‚Problem‘ ist eben diese Verharmlosung. Manchmal bin ich mir und auch meinem Neuro gegenüber nicht ehrlich. Das sind dann die Momente an denen ich mir zu viel zu mute, zu wenig Pausen mache und danach einige Tage darunter leide.

Mein Neurologe weiss das und bohrt dann jeweils auch etwas länger nach, bis ich dann ehrlich die Tatsachen auf den Tisch lege. Ist ja eigentlich ganz doof und grenzt schon an Kindergarten. Aber was soll ich machen, ich mag mich der MS einfach nicht ergeben.

Bei dem Gespräch letzte Woche kam dann wieder das Thema Arbeit zur Sprache. Mein Neuro wollte wissen, wie viele % ich mir denn vorstellen könnte. Natürlich habe ich im ersten Moment masslos übertrieben. Jedenfalls haben wir uns geeinigt, dass ein Arbeitspensum von 40% mehr als genügen würde. Wir haben die Symptome und die Anstrengung für meinen Körper aufgezählt und ich musste dann doch etwas kleinlaut zugeben, dass es wohl nicht mehr als 40% sein können.

Letztes Jahr, als das schon mal Gesprächsthema war, da bin ich zuerst ausgeflippt. Jetzt, ein Jahr später und etwas weiser oder vernünftiger, muss ich sagen, dass ich gut mit diesem Arbeitspensum leben könnte. Da unser kleiner Sohn im Sommer ebenfalls in die Schule kommt und ich die Mittagstischlösung in der Schule nutzen könnte, möchte ich sehr gerne wieder arbeiten. Als ich vor der Diagnose 20% gearbeitet habe, ist mir aufgefallen, dass ich mit der Konzentration Probleme hatte. Zuerst habe ich gedacht, dass das davon kommt, dass ich einige Jahre nicht gearbeitet habe. Andererseits war aber auch das Gefühl da, im Job genau dort weiter zu machen, wo ich aufgehört habe. Erst später ist mir klar geworden, dass die Konzentrationsprobleme und die Erschöpfung von der MS kamen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich offenbar auch einen Schub und habe es nicht gemerkt. Aber wie gesagt, jetzt bin ich weiser und vernünftiger geworden. Mal sehen, ob und wann sich der Wunsch nach einer 40% Stelle erfüllt.

 

(Hier noch Werbung in eigener Sache: Kaufmännische Ausbildung und jahrelange Erfahrung als Anwaltsassistentin, Assistentin Unternehmensberatung, Assistentin einer Rechtsabteilung. Computerkenntnisse immer noch top und auf aktuellem Stand (Mann ist Informatiker) und ich treibe mich viel im Internet herum. Ich bin gut in Recherche, kenne mich mit Facebook, Twitter und WordPress aus. Suche 20-40%-Job im Raum
St. Gallen) 🙂 chrchr…

Aber hej, offenbar ist es tatsächlich so, dass es Zeit braucht, um in einer Krankheit zu reifen. Falls sowas überhaupt möglich ist. Jeder Tag ist eine neue Herausforderung und manchmal darf man stolpern und hin fallen. Wichtig ist es wieder weiter zu machen.

Ich zieh mir jetzt meine Sonnenbrille an, dann merke ich vielleicht den Schatten nicht so….

 

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Ein Gedanke zu „Schatten

  1. Ach ja bei dieser Verharmlosung beim Doc ertappe ich mich auch ganz oft…obwohl das ja eigentlich total doof ist…
    Und das Thema Berufstätigkeit und MS beschäftigt mich gerade auch sehr! Ich bin mir sicher bei deinen Qualifikationen findest du bestimmt etwas! Ich drück dir ganz feste die Daumen!!
    Liebe Grüßle Melanie

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