Gibt es das Geheimnis einer glücklichen Ehe?

Multiple Sklerose und das Geheimnis einer glücklichen Ehe

Ich gebe es zu, die Überschrift ist etwas gewagt, denn – es gibt kein spezielles Geheimnis für eine glückliche Ehe oder Partnerschaft! Erst recht nicht, wenn einer der Partner an einer chronischen Krankheit leidet. Trotzdem hat jedes Paar so seine kleinen, sagen wir mal, Praktiken.

Ich denke, eine glückliche Partnerschaft zu führen, ist so schon manchmal kompliziert genug. Wie ist es, wenn eben einer der Partner krank ist? Dann auch noch eine Krankheit, die man manchmal nicht sieht, bei der die Symptome unsichtbar und trotzdem- ständig präsent sind. Ein Alltag mit extrem schnell wechselnden Stimmungen, Schmerzen die kommen und gehen wie es ihnen gerade passt. Diese bleierne Erschöpfung, die plötzlich und wie angeworfen die letzten Kraftreserven aussaugt- ohne Vorankündigung. Was nützt es zu sagen, dass die Fatigue gerade sehr mühsam ist? Der plötzliche Schwindel, Gefühlsstörungen in Körperteilen und so, so vieles mehr. Kann man das verstehen, wenn man nicht selber betroffen ist und nicht im Körper des anderen steckt? Nervt das? Das ist alles nicht so einfach.

Gibt es ein Geheimnis einer glücklichen Ehe?

Ich persönlich denke, jedes Paar ist anders und jedes Paar muss als Einheit dieses, für sie passendes Geheimnis finden. Das gilt aber nicht nur für Paare, von denen einer krank ist!

Unser 12. Hochzeitstag!

blumen

Ja, wir hatten am Wochenende unseren 12. Hochzeitstag! Eigentlich ist das ein gewöhnlicher Tag und wir haben nie etwas Grosses daraus gemacht. Meistens geben wir die Kinder ab und gehen miteinander Essen. Aber sowas machen wir auch ohne Hochzeitstag.

Dieses Jahr war unser Hochzeitstag an einem Sonntag. Der Tag war regnerisch und trüb. Wir hatten am Samstag noch Gäste und sind dementsprechend spät ins Bett. Die Kinder waren froh, dass das Wetter schlecht war und sie einfach wieder im Haus spielen können und mein Mann hat mir diesen wunderhübschen Blumenstrauss geschenkt. Wir sind also den ganzen Sonntag gemütlich zu Hause gewesen und jeder hat irgendwas gemacht, wozu er gerade Lust hatte. Ich habe mir zum Beispiel wiedermal ein Entspannungsbad mitten am Nachmittag gegönnt und über unsren Hochzeitstag nachgedacht.

Unser Ehegeheimnis

Eins unserer Geheimnisse ist sicherlich die Unabhängigkeit voneinander. Wir sind unabhängig! Jeder von uns ist eine eigenständige Person. Ich bin nicht von meinem Mann abhängig und er auch nicht von mir. Trotzdem sind wir ein Team mit ähnlichen Wertvorstellungen. Wir verfolgen das gleiche Ziel welches wir auch gemeinsam festlegen. Er macht manchmal 10-tägige Wanderungen mit einem Freund, ich verreise übers Wochenende mit meinen Freundinnen. Jeder hat eigene Interessen und das ist gut so. Das ist eines unserer Geheimnisse denke ich. Wir sind schon ziemlich lange zusammen und haben uns trotzdem weiter entwickelt. Mein Mann in eine andere Richtung als ich und jeder für sich, trotzdem als Paar mit einem gemeinsamen Ziel. Als ich auf Facebook ein Foto vom vorletzten Wochenende von uns gepostet hab mit happy 12! Hochzeitstag, hat mir meine ehemalige Arbeitskollegin gestern lustigerweise dieses Foto geschickt:

hochzeitsfoto

Dieses Foto war auf der Dankeskarte für mein damaliges Büro und was habe ich unten geschrieben? …wir haben den Bräutigam vergessen 🙂
Genau, wir haben diese Gruppenfotos gemacht und irgendwie habe ich da meinen Neu-Ehemann vergessen. Das hat mich auf den Gedanken gebracht, über unsere Ehe zu schreiben.

Denn dieses Bild beschreibt unsere Partnerschaft ziemlich gut. Abgesehen davon, dass ich schon immer etwas verpeilt war….wir funktionieren auch unabhängig voneinander gut. Mein Mann muss mir nicht ständig das Händchen halten und ich ihm auch nicht. Jeder ist eine eigenständige Person und trotzdem sind wir ein Team. Wir wissen, dass wir uns immer aufeinander verlassen können und kriegen immer den Rücken gestärkt. Und hej, wie wir sehen, funktioniert das schon 12 Ehejahre ❤

Partnerschaft mit Multipler Sklerose

Als ich meinen Verdacht auf Multiple Sklerose bekommen habe, ist für uns kurzzeitig eine kleine Welt zusammen gebrochen. Wir hatten keine Ahnung was auf uns zu kommt. Wir hatten auch keine Ahnung, wie die Diagnose unser Leben, unseren Alltag und schlussendlich unsere Partnerschaft beeinflussen wird. Ich hatte ein schlechtes Gewissen weil ich meinem Mann zur Last fallen könnte. Vielleicht werde ich irgendwann pflegebedürftig sein und er wird sich um mich kümmern ‚müssen‘. Werde ich für ihn sowas wie ein Klotz am Bein sein und ihm sein Leben vermasseln? Wissen wir übrigens auch jetzt nicht – das ist aber das Leben, denn was das Leben alles bringt, das wissen auch die Gesunden nicht!

Ich hatte den krampfhaften Drang mich nicht von der MS unterkriegen zu lassen. Also habe ich versucht, soweit wie möglich unseren Alltag, wie bisher zu gestalten. Manchmal habe ich das aus einem inneren Stolz und Trotz dermassen krampfhaft gewollt, dass ich fast zusammen gebrochen bin vor lauter Müdigkeit.

Nach der Lumbalpunktion und der Kortison-Schubtherapie hat sich die Lage etwas beruhigt. Ich war wieder (mehr oder weniger) der Chef meines Körpers. Die Kinder waren beruhigt und wussten, was Mama hat. Also ging das Leben bald einfach weiter. Der Alltag war wieder normal. Das war einerseits gut und ich habe mich darüber gefreut. Andererseits hatte ich zwischendurch doch das Gefühl, mein Mann sollte dieser Krankheit mehr Beachtung schenken. Unbewusst wollte ich, dass er mich doch anders behandelt! Es hat mich manchmal doch geärgert, wenn er so weiter lebte und sich so verhielt wie bisher. Sehr widersprüchlich ich weiss, denn hätte er mich anders behandelt als gewohnt, hätte mich das auch geärgert. Trotzdem konnte er ja nicht wissen, was gerade jetzt in meinem Körper abläuft. Er kann ja nicht sehen, ob ich gerade mit irgendeinem Symptom kämpfe. Mit der Zeit haben wir den passenden Umgang gefunden. Wenn ich nicht so fit bin, dann sage ich das und erwarte nicht, dass mein Mann von alleine auf die Idee kommt. Wir lachen und machen Witze auch auf Kosten der MS. Wenn er sich ärgert, dass ich auch nach einem Jahr die eine Herdplatte noch nicht habe reparieren lassen, dann sage ich manchmal das ich halt MS habe. Dann lachen wir und dann geht’s wieder.

Bewusstsein

Manchmal, wenn die Alltagssorgen, Probleme, Kinder, die Arbeit sich zu sehr in den Vordergrund drängen, dann vermisse ich ihn plötzlich, obwohl er neben mir auf dem Sofa sitzt. Manchmal schaue ich ihn mir an und denke, oh Gott, ist der gut! Na gut, es gibt Ausdrücke, die möchte ich jetzt hier nicht grad niederschreiben. Ich liebe so viele seiner Eigenschaften und ich hasse ihn manchmal regelrecht für einige. Manchmal könnte ich ihn gerne auch an die Wand klatschen! Es ist nicht immer heiter Sonnenschein.

Man muss sich zwischendurch der drohenden Entfremdung bewusst werden. Sowas schleicht sich schneller ein als einem lieb ist. Zum Glück finde ich ihn toll und dann wieder doof und danach toll, das ist wie auf einer Waage. Am Ende des Tages sollten beide Seiten ausgeglichen sein…Wir entwickeln uns jeden Tag weiter und mit jeder Herausforderung kommt etwas Neues dazu. Das Leben ist spannend, die Liebe auch. Mit einer Krankheit wird es nur etwas komplizierter weil sie sich ungefragt hinein drängt. Bewusst den Partner wiedermal ansehen und sich fragen, wie die Beziehung denn so ist. Das könnte man zum Beispiel an einem Hochzeitstag machen.

Mein Mann findet mich übrigens manchmal genau so doof wie ich ihn, kann mich nicht verstehen, genau so wie ich ihn manchmal nicht verstehen kann…

Ich bin sehr froh, ihn an meiner Seite zu haben, wir sind ein gutes Team ❤

hochzeitstag-staublos

Ich hoffe, ihr versteht was ich meine…

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7 Gedanken zu „Gibt es das Geheimnis einer glücklichen Ehe?

  1. Liebe Katarina

    Was DU schreibst, deckt sich ziemlich mit meinem Leben mit der Mutter meiner Kinder.
    Im April hatten wir unseren 23. Hochzeitstag und am 1. Oktober werden wir unseren
    27. Jahrestag feiern.
    LG
    Roland

    Gefällt 1 Person

  2. Pingback: Wochenrückblick 10.09.2016 | staublos

  3. Hallo Katarina,

    grins – das ja lustig eben gingen mir solche Gedanken durch den Kopf. Denn wir haben heute unseren 34. Hochzeitstag. Wir haben beide mit knapp nach 20 geheiratet warum auch immer.
    Rücklblicken denke ich wir wollten beide weg von unserem damaligen zu Hause, den Eltern, den Umständen. Ich von meinem despoten Vater, mein Mann von seinem zu Hause was durch die Scheidung seiner Eltern längst keines mehr war.

    Insgeheim denke ich viele haben unserer Ehe nie eine Chance gegeben oder ich weiß es ganz sicher viele sind auch neidisch. Aber das brauchen sie nicht. Wir haben in den letzten Jahren genügend Kackhaufen zur Seite geschoben.

    Ja wir sind eigenständige Personen und nicht von einander abhängig. Und auch ich find meinen Mann manchmal echt nervig… .und er mich auch. Er geht weg ich geh weg jeder hat so seine eigenen Dinge, seine eigene Routine etc.

    Wir haben unsere Krisenzeiten gehabt. Vor den Kindern während die Kinder schon da waren, aber irgendwie….. warum auch immer wir sind immer noch zusammen und wir lieben uns noch immer. Vieles ist Routine geworden läuft Hand in Hand, anderes bringt mich in Rage… ihn genauso…. vieles ist neu. Wir gehen jetzt wieder öfters als Paar weg. Demnächst auch mal ein Wochenende nur für uns.

    Die MS hat unserer Partnerschaft nichts anhaben können im Gegenteil.

    Ob wir heute abend essen gehen weiß ich nocht nicht. Kann sein in vier Stunden bin ich müde oder mir geht es einfach nicht gut du weißt ja….
    Dann eben morgen oder andersmal….

    LG
    Ursula

    Gefällt 1 Person

    • Happy Hochzeitstag liebe Ursula!!!
      Und herzlichen Glückwunsch! Danke für deinen Text, ich habe mich sehr gefreut. Dachte schon, vielleicht versteht man mich nicht und es kommt falsch rüber.
      Ich hoffe, Ihr hattet einen schönen Abend<3
      Liebe Grüsse, Katarina

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