Spontane Ski-Ferien oder ein Vermögen ausgeben?

Spontane Ski-Ferien buchen

Arschloch-Zimmernachbarn gratis dazu bekommen

Spontan kann ich: Also habe ich kurzfristig angefangen, verschiedene Angebote im Internet zu durchforsten. Nach einem Nachmittag gab ich entnervt auf. Gefühlt die ganze Welt wollte in diesem Zeitraum in ein schönes Wellnesshotel mit tollen Skipisten. Ehrlich! Entweder war alles ausgebucht oder die 4 Nächte hätten so viel gekostet wie unser Sommerferienhaus für 12 Tage am Meer. Ich habe also gelernt, dass man Skiferien ganz bestimmt nicht SPONTAN entscheiden kann! Niemals!

Ein Familienzimmer in Tschiertschen

Als ich mich fast schon damit abgefunden habe, kein Hotel zu finden, ist mir doch noch eins entgegen geflattert. Ein Familienzimmer in einem 100 jährigen Holzhaus in Tschiertschen. Ich finde den Namen so lustig und könnte ihn ständig wiederholen: Tschiertschen, Tschieeeertschen, Tschiertscheeeen…

Am Freitag Vormittag solange die Kids noch in der Schule waren, alles fertig gepackt. Mein rechtes Auge hat unendlich mühsam angefangen zu zucken. Ich hätte es liebend gerne mit Tesafilm zugeklebt-so nervig!

Das Auto randvoll geladen, so, als ob wir 4 Wochen und nicht 4 Nächte verreisen würden. Mein Ziel war eigentlich, die ganzen Kinderkleider den Jungs jeweils in die Ergobags zu packen und jeder trägt sein Gepäck selber. Irgendwie muss mir entgangen sein, dass auch die Pullover von Kind1 jetzt die Grösse eines Jugendlichen haben. Hrmpf. Und Kind2 trägt jetzt fast die gleiche Schuhgrösse wie ich.

Im Radio ging es ständig um die Rückreise von Donald Trump aus Davos und sobald der Name fiel, lästerten die Kids wild drauf los, was sie schon über ihn gehört oder gelesen haben. (Zur Erinnerung, Kind1 als Trump und Kind2 als sein Bodyguard an der Schulfasnacht)

Auf der Gegenfahrbahn begegneten uns ständig Konvois aus schwarzen Limousinen in Begleitung von Polizeiautos in Richtung des Flughafens Altenrhein. Und als wir zum 1000 mal die irre WEF Rede von Donald Trump kommentierten, flogen aus Richtung  Davos, 5 Mitlitär-Helikopter in Richtung Zürich. In der Mitte flogen zwei Helikopter übereinander und wir waren sicher, dass Trump in einem dieser Helikopter war. Das war dann schon irgendwie skurril.

In Tschiertschen wurden wir von einer beachtlichen Menge Schnee empfangen, sie hatten 3.90m! Meine Alarmlichter „oh Gott, die Lawinengefahr“ blinkten schon hinter meinem zuckenden Augenlid. Und als wir auf den Shuttle (das Dorf ist Autofrei, oder einfach so fuckingunfassbar eng, dass kein Autofahrer ausser den Einheimischen dort durch kommt) warten um abgeholt zu werden, schaue ich, doofe Nuss, meine Emails an. Und zack, irgendwelche Probleme waren mit dem letzten Lohnlauf aufgetreten. Ich war ehrlich kurz davor das Smartphone in den nächsten Schneehaufen zu werfen! Habe stattdessen zuerst meiner liebsten Arbeitskollegin geschrieben, die schon Bescheid wusste und dabei war, das Problem zu lösen. Ich war trotzdem sehr genervt und meine Vorfreude auf Ferien war ordentlich angeschlagen. Hrmpf.

Unser Familienzimmer war hübsch. Es war eng aber ausreichend und ich hatte mich schon gefragt, wie lange es dauern wird, bis wir uns auf so kleinem Raum auf die Nerven gehen werden, schliesslich gab es überhaupt keine Ausweichmöglichkeiten. Die Sorgen waren aber unberechtigt, dazu weiter unten detailierter…Nachdem wir uns eingerichtet haben und das Dorf erkundet, ging es ins Hotelrestaurant. Zur Auswahl gab es Käse, Käse und Käse. Also haben Mann und ich ein Fondue bestellt und den Kids wurden leckere Kindermenüs angeboten. Ich sag’s so: Tod durch Fondue

Am Samstag, nach einem grossen Frühstück, ging es dann los auf die Piste. Wir fuhren alle vier auf den Berg und ich verbrachte den ganzen Tag in einem Liegestuhl vor der Skihütte. Ich fahre nicht Ski wegen kaputter Hüfte und Gleichgewichtsstörungen. Das Wetter war traumhaft! Es war so schön, dass ich nicht mal mein Buch hervorgeholt habe. Ich sass also ganz alleine da und starte in die weisse Weite vor mich hin. Die drei Jungs hielten vor jeder Abfahrt kurz bei mir an und berichteten, wie die letzte Fahrt war und wer wie oft hingefallen ist oder wie schnell sie hinunter flitzten. Habe ich eigentlich schon mal erwähnt, wie gerne ich mit mir alleine bin?

Irgendwann am Nachmittag fuhr ich mit Kind2 mit dem Sessellift wieder runter. Er hatte keine Lust mehr auf die letzte Abfahrt und wollte mit mir herunter fahren. Oh-Mein-Gott! Ich habe völlig vergessen, wie schrecklich es ist, mit dem Sessellift wieder zur Talstation zu fahren! Ich bin so ein Höhenangstschisser!

Wir haben neue Zimmernachbarn bekommen! Von nun an waren sie das vorherrschende Thema. Und es bestand plötzlich keine Gefahr von Langeweile auf engem Raum! Ich sag mal so: Arschlocherwachsene ziehen A-Kinder gross. Sorry, ist aber so! Vorbildfunktion!

Das Hotel war, wie bereits gesagt, ein über 100 Jahre altes Holzhaus. Neu renoviert aber hellhörig wie ein Zelt. Und dann war diese schreckliche Familie mit 5 Erwachsenen, verteilt auf mehreren Zimmern auf dem Stockwerk und insgesamt 5 oder 6 Kindern. Diese Kinder rannten also die ganze Zeit im Flur herum, brüllten, verpassten das Zimmer der Grossmutter und knallten in unsre Zimmertüre, fielen hinten raus und brüllten. Ein anderer Teil der Kinder versuchte die Feuerwehrleiter vom Balkon zu steigen oder abwechselnd die Metallstühle runter zu werfen. Die Grossmutter drauf angesprochen, erntete ich nur einen dämlichen Kuhblick. Erst später wurde mir bewusst, dass ihr nicht klar war, was ich eigentlich von ihr wollte. Sie kamen nie auf die Idee, sie könnten jemanden stören. Ich sollte aufhören nett und verständnisvoll zu sein und es so ansprechen, wie ich es eigentlich auch fühle.

Am nächsten Tag wieder auf dem Berg ausgelüftet. Dafür nicht mehr mit dem Sessellift runter gefahren, sondern bis ins Dorf gewandert. Im Schnee. Muskelkater aus der Hölle inklusive. Auf dem Weg hinunter bin ich immer wieder an der Skipiste vorbeigekommen und tatsächlich meine Jungs getroffen. Kind1 hat gefragt, woher ich denn immer wüsste, wo sie seien oder wann sie ausgerechnet kommen.

Unsere Höllennachbarn waren offenbar auch auf der Skipiste unterwegs und die Kinder erschöpft und übermüdet. Die Mutter füllte sie mit Zuckersirup ab und bot ihnen Gamezeit an. Scheinbar kennt sie keine Türen oder Privatsphäre, also wurde alles laut und ausführlich im Gang besprochen/gestritten/gebrüllt/geweint statt das im Zimmer zu erledigen. Und wieder knallte eins der Kinder in unsre Zimmertüre und zwar so, dass sie fast eingeschlagen wurde. Also bin ich zur Rezeption gestampft und habe mich beschwert. Ich war scheinbar nicht die Erste. Die Begründung dieser Familie war, sie hätten halt ein „schwieriges Kind“. Für sowas habe ich überhaupt kein Verständnis. Den Kindern die Schuld unterschieben! Ich habe auch zwei Kinder und eins davon hat ADHS. Und trotzdem bringe ich ihnen bei, Rücksicht auf andere zu nehmen. Sie sind nicht alleine auf dieser Welt. Ganz ehrlich, das ist sehr anstrengend und bedeutet, sich aktiv mit dem Kind zu beschäftigen. Nicht einfach abschieben und sich selber überlassen mit der bescheuerten Begründung, es ist halt schwierig! Pfft!

Naja. Unsre Jungs waren so fasziniert und hatten diesen „oh, ein Unfall, ich kann nicht wegsehen“-Effekt. Im Restaurant wurde das Fonduerechaud vom Tisch gefegt, die Mutter machte sich nicht mal die Mühe aufzustehen und dem Kellner beim Wegräumen zu helfen. Sowas sind für mich echt Arschlochmenschen!

Am dritten Tag gingen wir alle 4 Schneewandern. Alle, ausser meinem Mann, hassen Wandern. Die ersten 200 Höhenmeter wurden von verschiedenem Gestöhne und Gejammer begleitet. Nach der Mittagspause mit Proviant an der wunderbaren Mittagssonne wurde dann behauptet, Schneewandern sei so toll und es macht so viel Spass. Bis es wieder an die nächsten Höhenmeter ging. Chrchr. Der Abstieg war dafür rasant. Mit tiefroten Backen ging es wieder ins Hotel zurück. Zur grossen Überraschung waren unsre Arschlochnachbarn tatsächlich etwas leiser.

Am vierten Tag ging es dann aber auch schon wieder nach Hause. Ich hatte das Gefühl, wir würden kein Shuttle brauchen und holte das Auto. Weil ich doch so wahnsinnig schlau bin, nicht, fuhr ich das Auto die steile und vereiste Hoteleinfahrt rückwärts runter. Nachdem wir das Auto wieder randvoll geladen haben, kamen wir kein Stück weiter. Das Auto hatte keine Chance da wegzukommen. Also mussten wir Schneeketten montieren. Zum Glück hat eine junge Frau angeboten, uns zu helfen, weil sie gerade bei einem Kurs das lernen musste! Und so kamen wir tatsächlich wieder hoch. Vorher, noch auf dem Parkplatz beim Dorfeingang, musste ich sehr über dieses Auto lachen. Ein riesiger Amischlitten (Dodge) mit diesem Aufkleber. Naja, ich hätte es in diesem Moment gerne gehabt…Karma Baby.

Trotz der blöden Zimmernachbarn hatten wir sehr schöne Familientage. Manchmal ist es sehr schön auf einem kleinen Raum zusammen zu sein. Ich habe es sehr genossen, alleine zu sein und trotzdem so viel Zeit mit der Familie zu verbringen.

Vielleicht sollte ich nicht mehr spontan sein und jetzt schon die Skiferien für das nächste Jahr buchen?

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Ein Gedanke zu „Spontane Ski-Ferien oder ein Vermögen ausgeben?

  1. Pingback: Wochenrückblick 03.02.2018 | staublos

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