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Über staublos

SEIT 2013 AN MULTIPLER SKLEROSE (MS) ERKRANKT. HIER SCHREIBE ICH ÜBER MEINEN ALLTAG ALS CHRONISCH KRANKE MUTTER ZWEIER SÖHNE, FRAUEN MIT ADHS UND DEN ÜBLICHEN WAHNSINN.

Sommerferientagebuch

Ferientagebuch Nr. 1:

Seit 5 Tagen sind wir in Kroatien am Meer. Nach dem verhassten Packen und Sachen zusammensuchen, hatten wir eine sehr gute Anreise. Ich hatte nichtmal gross Rückenschmerzen.

Die Sommerferien verbringen wir seit einigen Jahren immer auf der gleichen Insel. Mein Cousin hat hier ein sehr schönes Haus und vermietet die Zimmer. Wir fühlen uns sehr wohl und werden von Früh bis Spät bekocht. Ich geniesse es sehr. Weil ich zu spät reserviert habe, haben wir nur ein Zimmer und eine kleine Küche und Bad. Wir schlafen alle 4 also im gleichen Zimmer. Die Kinder finden das extrem cool, viel schöner als das grosse Haus zu Hause. Sowas wie ein Massenlager.

Diesesmal bin ich schon mit Hals und Ohrenschmerzen angekommen. Zuerst dachte ich, es könnte von der Auto-Klimaanlage sein. Am nächsten Tag hat sich dann eine ekelhafte Erkältung daraus ergeben. Soweit ich mich erinnern kann, ist das die erste Erkältung seit dem ich das neue Medikament Aubagio nehme. Ich habe unendlich viel gerotzt und einen fiesen Husten ausgebrütet. Also habe ich die bisherien Ferientage mit Rotzen, Husten und Fieber am Strand verbracht. Gebucht war das nicht. Eigentlich habe ich auf ein Paar Schuhe verzichtet, nur um die Flasche meines Lieblingsproseccos mitzunehmen. Stattdessen habe ich die Leber mit Ibuprofen belastet, statt mit Alkohol.

Ganz ehrlich, war ich kurz davor meinen Neuro anzurufen und zu fragen, was ich jetzt machen muss. Das Medikament hat meine weissen Blutkörperchen völlig zerstört, was auch bedeutet, dass mein Immunsystem soweit nicht mehr im Stande ist, die Erkältungsviren selber zu bekämpfen. Normalerweise muss man jede Rotznase und jeden Husten dem Arzt zeigen um Schlimmeres zu verhindern. Wenn man sich meinen schlimmen Haarausfall anschaut, könnte man meinen, das Medikament wirkt wie eine Chemotherapie. Aber das muss ich sofort nach den Ferien abklären lassen, hat der Neuro schon befohlen.

Jedenfalls geht es mir Heute schon etwas besser und ich habe mir doch ein Glas Prosecco statt Ibuprofen gegönnt.

Das Wetter ist durchzogen und nicht zu heiss, was mir halt schon besser bekommt als Hitze. Die Jungs sind da hart im Nehmen und sind trotzdem jeden Tag noch ins Meer gesprungen. Ich geniesse die Tage sehr, ausser den verfluchten Stechmücken, die machen mich irre. Die Stechmücken und rücksichtslose Zimmernachbarn, die um 23h unbedingt auf dem Balkon eine Polnische-Soap in vollster Lautstärke schauen müssen. Die denken wohl, dass alle aus den weiteren 7 Zimmern sich das gequake anhören wollen. Dafür dürfen die Kinder jetzt morgens schon ab 6.30h singen. Die subtile Rache der frühaufstehenden Eltern.

Der Wetterfrosch sagt, dass die nächsten Tage heiss werden. Mal sehen, wie sich das auf meinen MS geschunden Arsch auswirkt. Ansonsten werde ich den ganzen Tag im Wasser sitzen, einen Sonnenschirm um den Rücken binden und den Kindern beim Plantschen zusehen.

Gehabt euch wohl ❤

Durcheinander

Zur Zeit läuft es bei uns etwas drunter und drüber. Einerseits fahren wir nächste Woche in die Ferien und ich sollte mal alles organisieren. Natürlich muss der Mann ausgerechnet dieses Wochenende durcharbeiten und so darf ich mich alleine um alles kümmern. Wäre ja grundsätzlich kein Problem, ich bin ein grosses und selbständiges Mädchen und kann das. Normalerweise fange ich eine Woche vorher an, alles was ich in die Ferien mitnehmen möchte zu sammeln so dass ich am Ende alles bereit habe. Ich gehöre zu den Streber-Menschen, die fast nie etwas vergessen einzupacken. Dieses Jahr habe ich aber etwa 3 Tage lang die Strandtücher gesucht, weil ich sie letztes Jahr an einem, für mich damals, genialen Ort versorgt habe. War dann wohl doch nicht so genial.

Der Grund, weshalb meine Planung dieses Jahr nicht aufgeht ist, dass Jemand aus meiner Verwandschaft ernsthaft psychisch erkrankt ist. Sie leidet ganz offensichtlich an einer Psychose bzw. ist schon schizophren. Da man sie zu Hause in eine Klinik einweisen wollte, ist sie aus Kroatien einfach zu meinen Eltern in die Schweiz geflüchtet. Nun ist sie jetzt da und ihr Zustand ist tatsächlich besorgniserregend. Deshalb bin ich jetzt die ganze Zeit am herumtelefonieren und versuche, von hier aus Hilfe für sie zu organisieren. Was natürlich nicht so leicht ist.

Ich hoffe sehr, dass sie sich von meinen Eltern problemlos nach Kroatien bringen lässt und dort freiwillig in die Behandlung geht. Es ist schon tragisch, sie in einem so dramatischen Zustand zu sehen.

Jedenfalls hoffe ich sehr auf ein gutes Ende. Wer weiss, vielleicht kann ich trotzdem richtig schöne Sommerferien verbringen. Berichten werde ich jedenfalls…

Bis dahin wünsche ich einen wunderbaren Sommer! ❤

Wochenrückblick 15.06.-22.6.2014

Denise von http://fraeulein-ordnung.blogspot.com stellt diese Frage jedes Wochenende:

Was hat dich in dieser Woche glücklich gemacht?

„Ich zeige 4 – 6 meiner liebsten Fotos aus der Woche und schreibe 1 – 2 Sätze dazu.
Wer Lust hat, kann gerne beim Wochen(glück)-Rückblick mitmachen und sich bis Sonntag Abend verlinken (wer mag, kann dafür das erste Bild mitnehmen). So können wir gemeinsam unser Glück, die schönen Momente und fröhlichen Stunden festhalten.“

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Sohn gross war sehr begeistert vom Technoramabesuch mit der Schule:

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Grillsaison wurde eröffnet. Die  Jungs haben vorsichtshalber Wasser bereit gestellt:

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Monatlicher Besuch beim Neurologen:

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Wir schauen immer wieder Fussball:

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Am Wochenende haben der Mann und ich Ausgang:

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Geburtstagsfeier eines Freundes mit sehr, sehr viel Lachen:

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Auf dem Heimweg kriegt der Mann plötzlich Hunger und muss unbedingt was essen. Um 02.15 Uhr sitzen wir mit Junkfood da, wie in alten Zeiten:

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Der Mann hat spontan mit den Jungs einen Verkäuferladen aus Holzresten gebaut:

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Auf diesem Wege, wünsche ich uns allen, einen guten Start in die neue Woche ❤

Ist es wichtig beliebt zu sein?

Vor einigen Jahren habe ich eine Mutter über unsere Kinder kennengelernt. Auf der zwischenmenschlichen Ebene verstehen wir uns gut. Wenn es hingegen an die Kindererziehung geht, da sind wir nicht auf der gleichen Wellenlänge.

Ihr Sohn hat die Klasse gewechselt und die Mutter setzt alles daran, dass der Sohn im Kontakt mit beliebten Kinder ist. Er ist offenbar auch etwas Verhaltensauffällig, also ein ADHSler. Sie gibt ihm Ritalin nur aus dem Grund, weil sie nicht möchte, dass er auffällt und keine Kinder mehr zum Spielen hat. In seiner neuen Klasse hat es 2 Jungs die an alle Geburtstagspartys eingeladen werden. Jetzt trifft sich diese Mutter mit den Müttern dieser Kinder. Ich weiss, dass diese Mütter überhaupt nicht ihre Wellenlänge sind, aber sie macht es, damit der Sohn mit diesen Jungs mehr Kontakt hat. Hmmm…

Meine beiden Jungs sind durchaus etwas eigen. Sie sind sehr sozial und die Lehrerinnen erzählen uns bei jedem Elternabend, dass sie überhaupt keine Mühe mit anderen Kindern haben. Dass sie sehr sozial und sehr gerecht sind. Der grosse Sohn verteidigt die schwächeren obwohl er weiss, dass er dabei selber eins auf den Deckel bekommt. Wenn ich ihn frage, warum er das macht, erzählt er, dass er diese Ungerechtigkeit einfach nicht erträgt und dass es halt einfach nicht nett ist von den anderen. Meine Jungs machen durchaus Blödsinn, erzählen Müll und können sich dabei kaputt lachen. Die anderen Jungs in der Schule finden sie trotzdem seltsam und möchten eigentlich nicht sehr viel mit ihnen zu tun haben. Da gibt es den einen oder anderen Jungen mit denen sie auch abmachen, aber so richtig tiefe Freundschaften haben sie nicht. Normalerweise verstehen sich beide viel besser mit Mädchen, weil diese nicht so laut, aggressiv und prollig sind. Also das sagen meine Jungs.

Natürlich könnte man jetzt sagen, dass die Jungs auf dem Weg sind, Einzelgänger zu werden. Ich frage mich, wie schlimm das für ihre soziale Entwicklung ist. Sollten die Kinder nicht selbständig entscheiden können, mit wem sie befreundet sein wollen? Müsste ich mich wie diese erwähnte Mutter verhalten und mich mit den Müttern der anderen Klassenfreunde der Jungs treffen? Es gibt die eine oder andere, die ich interessant finde und auch gerne einen Kaffee trinke. Aber diese kann ich an einer Hand abzählen. Wenn überhaupt. Wie weit sind die Eltern für das Glück der Kinder verantwortlich? Wie wichtig ist es beliebt zu sein? Muss man das schon in einem frühen Alter fördern?

Ich denke, meine Jungs werden wohl die sein, die sich auf dem Pausenhof immer wieder eine einfangen. Einfach weil sie zu nett, freundlich und überlegt sind. Weil sie als ruhig gelten. Ich denke, sie werden nicht daran zerbrechen und auch nicht daran verzweifeln. Das hoffe ich sehr für sie. Es ist ihr Wille nicht mit Hinz und Kunz befreundet zu sein. Ihr Gerechtigkeitsinn ist sehr stark. Ich denke, es wird ihnen auf dem weiteren Lebensweg mehr nutzen, die Fähigkeit zu haben, die Menschen auszuwählen, die ihnen gut tun und nicht weil die Mama findet, dass sie aus irgendwelchem Profitgedanken mit jemanden befreundet sein zu müssen. Hinzu kommt, dass sich meine Jungs extrem gut verstehen. Manchmal hat man den Eindruck, dass sie sich nur durch Augenkontakt verständigen können. Als sie noch kleiner waren, hatten sie eine Weile ihre Geheimsprache und haben so miteinander gesprochen, wenn sie nicht wollten, dass ich mich einmische.

Ja, Kindererziehung ist nicht immer einfach. Das Triggern durch die Eltern kann sehr einflussreich sein. Wie weit sollte man gehen? Wobei sollte man ein Auge zudrücken? Das sind Fragen, die sich uns Eltern jeden Tag mehrfach stellen.

Manchmal wünsche ich mir, es würde Gelassenheit auf mich runterregnen….