MS-ler gelten als schwierig.

Vor einigen Tagen habe ich einen sehr interessanten Kommentar bekommen. Jemand, der selber MS hat, hat mich darauf hingewiesen, dass ihr/ihm aufgefallen ist, dass MS-ler als schwierig gelten. Die Psyche reagiert ebenfalls auf die Schübe und natürlich die Medikamente, die den Rest dazu geben.

Dieses Thema hat mich sehr beschäftigt und ich habe immer wieder darüber nachgedacht.

Nun, es liegt auf der Hand, die Psyche reagiert auf die Entzündungen. Es werden so viele Botenstoffe vom Gehirn aus ausgeschüttet und das Gehirn steuert so viele dieser Geschichten. Darüber habe ich auch schon einige Studien gelesen, die das belegen. Natürlich auch die Angst im Nacken, was für Schäden bei diesem Schub bleiben darf man dabei nicht unterschätzen. Aber ich frage mich schon länger:

Verändert eine Krankheit den Charakter?

Natürlich ist es nicht schön krank zu sein. Mit der MS hat man das ‚Glück‘ nicht unbedingt an einer lebensbedrohlichen Krankheit erkrankt zu sein. Ist es vielleicht die Tatsache, dass es unheilbar ist und für den Rest des Lebens an einem hängt. Wenn man der Schulmedizin glaubt, kann man selber nichts dagegen ausrichten. Ich persönlich glaube an dieses ‚unheilbar‘ nicht so recht. Aber das ist ein anderes Thema.

In den letzten Jahren seit der MS, hat sich mein Charakter oder mein Wesen verändert. Das ist ganz klar und das fällt mir selber ja auch auf. Nur ist die Frage, liegt es an der Krankheit und den gestörten Gehirnbotenstoffen oder ist es auch einfach das Alter. Ich bin jetzt 35j. und irgendwie ist mir meine Zeit zu schade, um sie mit Getrödel zu vergeuden. Die Krankheit mit der ewigen Erschöpfung hat natürlich auch ihren Einfluss. Aber wie viel lässt sich einfach auf eine Krankheit schieben? Akzeptiert das der Partner, die Familie oder der Freundeskreis, einfach weil man ja krank ist? Wie viel kann man sich erlauben und wie pervers ist die Tatsache, einfach schnell mal zu sagen, dass man nicht mag/kann/möchte weil man ja immerhin krank ist?

Kann man eine Krankheit als Entschuldigung für alles als Absolution vorschieben?

Meiner Meinung nach nein. Egal wie gestört die Botenstoffe sind, trotzdem hat man einen ‚gesunden Menschenverstand‘ für mich gilt das für das Bauchgefühl oder die emotionale Intelligenz. Manchmal spüre ich diesen inneren Kampf und versuche, mich noch viel mehr auf das Bauch-/Herzgefühl zu verlassen als auf den Kopf, was aber nicht immer einfach ist.

Ausreden und falsche Entschuldigungen sind nicht richtig, trotz der grossen Versuchung.

Geniesst den Tag!

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Ein Gedanke zu „MS-ler gelten als schwierig.

  1. … ich weiß nicht, ob sich der Charakter verändert. Vielleicht ist mann/frau einfach nur ehrlicher und zeigt ein bißchen mehr „ich“, wenn einem klar wird, dass das Leben endlich ist? Ein kleines bißchen mehr gesunder Egoismus? Ich jedenfalls habe für mich lernen müssen, dass ich für mich und meine Umwelt besser bin, wenn ich mich gut fühle/gesünder bin. Deshalb habe ich dann – zwangsläufig – „nein“sagen gelernt. Das war für alle anderen schon eine Veränderung und wenn man so will auch eine Charakterfrage. Wer klug/ein klein wenig intelligent ist, kommt durch Krankheit/Beruf/Familie/Freunde nur einmal bis zu seiner absoluten Grenze – mir jedenfalls hat einmal kurz vor Exitus gereicht.
    Dir also auch noch einen schönen Tag.

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