Ein Fest

Heute ist mein Geburtstag! Eigentlich ist es ein Tag wie jeder Andere. Nur dass ich meine Geburtstage nicht mag.

Heute hat die Schule wieder angefangen und die Frühlingsferien sind bei uns vorbei. Der kleine Sohn darf jetzt zur ersten Lektion um 8.00 Uhr in den Kindergarten. Er wollte das unbedingt, weil er dann mit dem Bruder und den beiden Nachbarskindern laufen kann. Der wahre Grund ist, dass ich keine Ausrede mehr habe, warum ich ihn noch begleiten soll. Da kommt ja mein Kontrollwahn-Problem ins Spiel. Wie wir wissen, ist meine Hirnregion, die das rationale Denken steuert von der MS angefressen und funktioniert nicht mehr richtig. Für mich bedeutet das, dass ich mich extrem zusammenreissen muss und meiner Fantasie (oh Gott, ich könnte darüber Drehbücher für Horrorfilme schreiben! Was alles könnte auf dem Schulweg passieren…) keine grosse Chance geben darf. Sonst dreh ich durch. Meine Kinder können aber nichts dafür und sollten so normal wie möglich aufwachsen. Es ist ja blöd, wenn die Mutter so eine abgedrehte Glucke mit durchlöcherten Hirnregionen ist. Weil ich das ja schon klar denken kann, aber mein Gefühl mich durchdrehen lässt, habe ich sie einfach laufen lassen. Gehört wohl auch zu diesem Ablösungsprozess. So eine blöde Erfindung der Natur! Nachdem sie weg waren, habe ich mich natürlich im Garten hinter der Hecke versteckt. Von dort aus habe ich den perfekten Blick auf den Fussgängerstreifen. Als ich dann zwei kleine Gestalten darüber wackeln sah, war ich dann auch wieder beruhigt.

 

auge

Ja, ich bin irre!

Was ich eigentlich sagen wollte ist, dass ich Gestern schon ein grosses Geschenk bekommen habe. Mein Tweet mit dem Bloglink wurde zwei mal retweetet und ich hatte 77 Aufrufe auf dem Blog! Ich habe nette Kommentare bekommen und konnte es nicht fassen! Als ich vor einem Monat angefangen habe zu schreiben, war das wirklich so eine art Tagebuch. Ich dachte, dass das vielleicht 2, 3 Leute mal mehr oder weniger zufällig lesen werden. Wie man unschwer erkennen kann, hacke ich meine Ideen einfach rein. Meistens habe ich keine Geduld, das Geschriebene noch durchzulesen oder zu korrigieren und publiziere es einfach so in Rohversion. Das bedeutet dann, es sind unzählige Schreibfehler drin und später ärgere ich mich dann darüber. Aber sorry, meine Konzentrationsfähigkeit und ich hab ja MS und wie ist das mit den zwölf Löffeln-Theorie 🙂

Deshalb sage ich auf diesem Wege schon mal

DANKE

Ich freue mich wahnsinnig darüber!

blumen

 

Ostern und das Fest

Seit ich mich an meine Kindheit erinnern kann, habe ich schon immer alle Festtage gehasst. Genau wie meinen Geburtstag auch. Das lag daran, dass meine Eltern, als ich 2 Jahre alt war, in die Schweiz gegangen sind um Geld zu verdienen. Dies sollte uns ein einfacheres und glückliches Leben ermöglichen. Ich blieb bei meinen Verwandten. Abwechslungsweise lebte ich bei meiner Grossmutter und einer Tante, später dann irgendwann bei einer anderen Tante.

Jedes Jahr an Ostern und Weihnachten haben mich meine Eltern besucht. Das Gefühl von Sorge wegen der langen Reise und dann der bevorstehende Abschied von meinen Eltern, kannte ich also schon sehr Früh. Vielleicht übernimmt mich deshalb dieses seltsame Gefühl wenn ich in die Ferien komme. Meine Vorfreude ist meist schon wieder vorbei und ich zähle die Tage, bis die Ferien wieder vorbei sind. Irre.

An Ostern erinnere ich mich auch daran, wie in meinem Dorf im 1991 der Krieg ausgebrochen ist. Ich war noch in der Reha wegen meiner Hüftoperationen und meine Eltern sind über die Festtage gekommen. Deshalb konnte ich zu Hause übernachten und mein Vater hat mich jeweils in die Therapie gefahren. Eines Morgens gegen 3.00 Uhr hat mich meine Mutter geweckt und gesagt, dass ich mich nicht erschrecken solle, aber der Krieg habe angefangen. Da hörte ich die Gewehrschüsse auch schon richtig deutlich. Mein Vater ist sich informieren, wie man vorgehen sollte. Meine Mutter sagte uns, dass wir uns unter der Treppe verstecken sollen weil da die Wände doch so dick sind. Jedenfalls konnte mein Vater jemanden mit einem Fischerboot organisieren, der uns über den vom Hochwasser reissenden Fluss gebracht hat. Bis zu diesem Fischerboot musste mich mein Vater tragen, weil ich mit der frisch operierten Hüfte nicht laufen konnte. Ich dachte damals, dass sich wohl das Bargeld in Franken gelohnt hat. Seit diesem Osterfest lebe ich in der Schweiz und bin, ausser zur Beerdigung meiner Grossmutter, nie wieder in diesem Dorf gewesen. Zwei Tage nach meiner Ankunft in der Schweiz, wurden meine Eltern angerufen und ihnen wurde mitgeteilt, dass unser Haus von 3 Granaten getroffen wurde. Die erste ist natürlich in der extra dicken Wand unter der Treppe eingeschlagen.

Seit ich meine Kinder habe, haben diese Festtage eine andere Bedeutung für mich bekommen. Ich fühle mich schon immer wieder unter Druck gesetzt, etwas zu feiern, wobei ich immer schon ein unangenehmes Gefühl assozierte. Aber die Freude in den Augen meiner Kinder zu sehen, hat es in den letzten Jahren wohl geschafft, langsam selber etwas angenehmes dabei zu empfinden.

Heute waren wir bei meinen Eltern zum Essen eingeladen. Mein Bruder hat die alten Fotoalben rausgeholt weil wir vor haben, einige alte Fotos nach zu stellen. Dabei ist mir aufgefallen, dass es von mir Babyfotos gibt und dann erst die Fotos ab 1991. Genau so ist auch meine Erinnerung an diese Zeit, lückenhaft.

Nun, für dieses Jahr haben wir es bald geschafft.

Frohe Ostern!

Kontrolle abgeben

Kontrolle abgeben ist so eine Sache bei mir. Es ist sozusagen ein unmögliches, undurchführbares, ein hoffnungsloses Unterfangen bei mir. Ich kann die Kontrolle nicht abgeben. Ich möchte die ganze Welt meiner Familie kontrollieren. Immer!

Deshalb hasse ich z.B. Fliegen. Im Flugzeug sitzen, bringt meinen Puls stets auf 190. Und ich habe auch so einen viel zu hohen Ruhepuls. Ich muss diesen zwei Piloten vertrauen und das ist echt untragbar für mich. Einmal habe ich beim Einsteigen zwei Cocktailgläser im Cokpit gesehen und ich schwöre, das waren Caipirinhas. Den ganzen Flug durch, habe ich bei jedem Ruckeln jeweils mit meinem Leben abgeschlossen.

Es ist nicht so, dass ich mich um mein Leben sorgen würde. Nein, es geht mir immer um meine Kinder. Wenn mir was passiert, dann würden sie ohne Mutter aufwachsen. Und dieser Gedanke ist mein Untergang, mein persönliches Armageddon. Dieses Problem hatte ich vor der Geburt meiner Kinder nie. Das hat sich mit dem Durchschneiden der Nabelschnur, quasi beim Zunähen der Kasierschnittnarbe automatisch gebildet. Gewuchert!

Dazu gibt es auch eine medizinische Erklärung. Letzte Woche habe ich mit dem Neurologen die letzten MRI Scans angeschaut und habe ihn dazu gezwungen, mir die kaputten Stellen im Hirn, jeweils zu den zugehörigen Funktionen zu erklären. Er macht das nicht gerne, das hat er schon letztes Jahr gesagt und sich geweigert. Der dümmliche Patient könnte sich ja Symptome darauf einbilden. Ich hingegen brauche keine neuen Symptome sondern einfache Erklärungen zu meinen Symptomen.

Nun, mein verstärktes Kontrollproblem könnten die Läsionen im Bereich des rationellen Denkens erklären. Aha! Ich bin ein Kontrollfreak mit Freischein! Dazu kommen die defekten Stellen für den Emotionenbereich. Die restlichen sind bei diesem Thema nicht so wichtig.

Als ich meinem Mann erzählt habe, dass der Neuro gesehen hat, dass mein rationelles Denken und meine Emotionen beeinträchtigt seien, hat er gelacht und gesagt, dass er ihm das ja auch ohne Hirnscan hätte erzählen können. Tja, so ist das bei uns zu Hause.

Jetzt sind die Kinder auch endlich vom Kinderzoogeburtstag zurückgekehrt. Sie waren eine Stunde zu spät. Die Mutter des Geburtstagskindes hat mir zwar im Voraus gesagt, dass sie vielleicht etwas später kommen, aber irgendwann wurde ich dann doch nervös. Meine angeknabberten Hirnwindungen haben angefangen Funken zu sprühen. Aber ich habe weder angerufen noch geschrieben. Ich habe einfach gewartet.

Applaus Applaus!

Packen und Spontanität

Heute wurde mir klar, dass wir in 4 Tagen in Richtung Kroatien abfahren. Wir haben uns mit den Kindern gegen die Skiferien und für die Frühlingsferien entschieden. Als die Kinder noch kleiner waren, habe ich mir Wochen vor den Ferien schon Listen geschrieben damit ich bestimmt auch alles dabei habe. Nein, wir sind nie irgendwo ausserhalb der Zivilisation hingefahren. Aber man weiss ja nie und mit Kindern will man ja immer ausgerüstet sein.

Jetzt sieht das schon ganz anders aus. Trotzdem werde ich jetzt langsam nervös. Ich habe ausser den Sonnenbrillen noch nix bereit.

Aber nun zu einer anderen Geschichte.

Mein Mann ist ja so kurz vor seinem 40. und wie das so in diesem Alter kommt, hat er vor einiger Zeit die Idee gehabt, eine 3’600km Wanderung quer durch USA machen zu wollen. Blöderweise ist ihm seine Frau dazwischen gekommen und ist chronisch krank geworden. Nun, nachdem er mir von seiner Idee erzählt hat, war für mich natürlich klar, dass er das schon unter einigen Bedingungen machen sollte. Dabei ist er dann doch etwas unter Druck geraten, weil er mit meinem ok. nicht gerechnet hat. Da es nicht sehr einfach und realistisch ist, einfach so für 6 Monate aus dem Alltag zu verschwinden, plant er jetzt etwas kleineres. Es werden also 10 Tage mit 170km durch Frankreich.

Jetzt ist so, dass er mit einem gemeinsamen Freund, diesen Ausflug machen wird. Die beiden planen seit Wochen ihre Route. Sie vergleichen Listen und wiegen sogar ihre Merinounterhosen ab. Sie wissen ganz genau wie viel ein T-Shirt, der Schlafsack oder die Kochpfanne wiegt. Jedenfalls sitze ich jetzt da und höre den beiden bei der Planung zu und muss mich sehr zusammenreissen, um nicht ständig meinen Senf dazu zu geben oder in schallendes Gelächter auszubrechen.

Aber hej, wie wäre es einfach mit loslaufen auch ohne HighTech Ausrüstung.

Ich bin für mehr Spontanität und beschliesse, erst später das Gepäck zu richten.