Putzfee! …ein neuer Versuch

Über meine Erfahrung mit der Haushaltshilfe habe ich ja mehrfach berichtet. Vor einigen Tagen habe ich mich mit der Vorgesetzten, also der Chefin der Haushaltsfeen, getroffen. Jetzt wurde ich von einer Leserin darauf aufmerksam gemacht, dass ich über den Ausgang des Gespräches ja noch garnicht berichtet habe! Ich habe mich offenbar noch nicht an das regelmässige bloggen gewöhnt, obwohl ich es selber bei Lieblingsblogs nicht erwarten kann zu lesen, wie etwas ausgegangen ist. Heute habe ich die 10’000 Aufrufe-Marke auf dem Blog geknackt und das ist so viel mehr als ich es mir je gedacht habe.

Ähm, ich schweife ab! Jedenfalls, woooohooooo! Ich möchte gerne regelmässig über meinen Alltag schreiben. Tagebuch kann so befreiend sein!

Die Chefin der Haushaltsfeen ist also bei mir vorbeigekommen. Vor diesem Termin war ich schon zwei Tage völlig schlecht gelaunt und genervt. Die Szenen mit meiner Haushaltselfe spukten immer wieder in meinem Kopf herum. Und natürlich regte ich mich immer wieder darüber auf, vor allem weil ich es so lange mitgemacht habe. Dann regte ich mich auf, das ich mich darüber aufrege. Das habe ich schön auf Twitter dokumentiert. Hach, ein Teufelskreis. Jedenfalls war ich schon ziemlich aufgeladen als die Frau Chefin kam. Sie fragte mich zuerst aus wie es mit der Gesundheit steht. Danach hat sie gefragt, warum es nicht geklappt hat mit der Haushaltsfee. Und da brach es aus mir heraus! Ein Wortschwall ohne Punkt und Komma. Die Frau Haushaltsfeenchefin hat sich hie und da was notiert, aber ich konnte nicht aufhören! Erst als ich alles ausgespuckt habe, konnte ich mal tief Luft holen und sie fragen, ob ich übertreiben würde, wenn ich jemand anderen verlange. Sie hat mir in allen Punkten Recht gegeben. Sie hat auch erwähnt, dass sie wohl mit dieser ‚Fee‘ eine Schulung machen müssen und sie nochmals über einige Punkte, auch Hygiene, aufklären müssen. Sie hat versprochen, jemand anderes zu schicken. Vor allem liegt es nicht in der Kompetenz einer Haushaltshilfe zu entscheiden ob und wie stark jemand krank ist. Das war auch einer der Punkte, der mich extrem geärgert hat.

Wie das so bei mir manchmal ist, habe ich am Abend ein schlechtes Gewissen gehabt, dass ich alles erzählt habe. Ich hätte vielleicht auch etwas zurückhaltender sein können oder etwas diplomatischer. Aber andererseits hat mich diese Person extrem beleidigt und wollte nie ein klärendes Gespräch mit mir führen.

Am Montag ist dann die neue Haushaltshilfe gekommen. Was soll ich sagen…sie hat das Putzmittel auf den Wasserhähnen einwirken lassen…als sie ging, waren die Böden noch nass…ich höre schon die Glöckchen bimmeln 🙂

Taktgefühl

Kurz als Einführung:

Seit Sommer letzten Jahres habe ich eine Haushaltshilfe. Sie kommt für 2 Stunden pro Woche und sollte mal gründlich durchputzen.

Als ich auf der Suche nach einer Putzhilfe war, stellte sich zufällig aus, dass ich mit Multiple Sklerose und einer Zusatzversicherung, ein Anrecht auf eine Haushaltshilfe habe. Mit dem Neurologenattest wird ca. 1/4 von meiner Zusatzversicherung bezahlt. Früher konnte ich die Böden nur wischen, wenn ich in den nächsten Tagen Physio hatte. Ansonsten konnte ich danach nicht mehr gerade stehen. Durch die gestörten Muskelinformationen und leichten Muskelspastiken, bekomme ich extreme Verspannungen, die dann für Tage böse Kopfschmerzen verursachen.

Seit Sommer habe ich nun meine, nennen wir sie ‚Putzelfe‘. Sie ist gleich alt wie meine Mutter und ist bei dieser Organisation für Pflegedienst und Haushaltshilfe angestellt. Sie ist also sowas wie ein Vollprofi. Wir klärten meine Wünsche und Vorstellungen und sie fing an. Nach dem zweiten oder dritten Einsatz, war ich nicht zufrieden und bat sie, dies oder jenes doch etwas gründlicher zu machen. Natürlich zuerst durch die Blume und das hat mich ziemliche Überwindung gekostet. Die Frau ist doch vom Fach und in ihrem Alter sollte sie doch die Putzelfe mit Auszeichnung und Orden sein.

Ha, das war natürlich garnicht gut! Sie findet, Bettwäsche alle zwei Wochen zu wechseln ziemlich übertrieben. Also, sie mache das bei sich alle vier Wochen ABER dafür bügelt sie ihre Bettwäsche. Mir ist es sowas von schnurzpiepegal ob die Bettwäsche gebügelt ist, sie soll einfach frisch sein. Und wenn ich sie nicht selber anziehen muss, umso besser (Verspannungen). Dann ging es weiter, sie findet, dass ich eine vööööööööllig übertriebene Sauberkeitswahrnehmung habe. Aber sie kenne das, das liegt einfach nur an meiner Krankheit. Es ist typisch, dass MS’ler sehr pingelig und perfektionistisch sind. Ähm ja?

Wir erinnern uns kurz: ich bezahle sie dafür und bin der Auftraggeber.

Jetzt war sie 14 Tage nicht da weil sie als Begleitung einer MS-Betroffenen Gruppe unterwegs war. Und jetzt kommts! Sie erzählt MIR, erinnern wir uns kurz nochmals, MS-BETROFFEN und gerade mit einem AKTUELLEN MS-Schub, dass alle Patienten unter 50 waren, gelähmt, nichtmal sprechen können die, aber sie hat gemerkt, dass die im Fall überhaupt nicht dumm sind! Gut, ich verzichte auf einen Kommentar. Mir entgleiten nur kurz die MS geschädigten Gesichtsmuskeln. Vermutlich zuckt auch meine Hasenlippe wieder. Dann erzählt sie in blumigster Ausführung weiter.

Da hat eine 3! mal in der Nacht geläutet und wollte, dass man ihre Hand auf die andere Seite bewegt. Sie, meine Putzelfe und Pflegedienstangestellte, hat sie dann natürlich durchschaut und wusste, dass der doch nur langweilig war. Sie hat ihr erklärt, dass sie erst läuten soll, wenn sie ZWEI wichtige Anliegen hätte. In diesem Moment stellen sich meine Nackenhaare langsam auf und da ich gerade frisch menstruell bin und Lust hätte jemanden zu zerfetzen, versuche ich ihr im nettesten Ton zu erklären, dass das nicht gerade nett ist und sie sich vorstellen soll, wie es ist, Spastiken überall am Körper zu haben und die Hände nicht mal selber bewegen kann. Meine professionelle Putzelfe und Pflegedienstangestellte versteht das nicht. Als ich staubwische, erzählt sie munter weiter. Von all diesen schwerstbehinderten Menschen, die die MS in den 30gern bekommen haben und jetzt schon völlig futsch sind. Und immer wieder diese überraschte Erkenntnis, dass die wirklich nicht dumm sind. Irgendwann erinnere ich sie daran, dass ich selber MS habe und das meine Intelligenz, jedenfalls zur Zeit, nicht beeinträchtigt. Entweder versteht sie nicht was ich sage oder sie hört garnicht zu.

Langsam habe ich die Schnauze voll und erzähle ihr, dass ich am Freitag beim Neuro war um die Medikamente abzuholen und er gerade wieder so ein Haushaltshilfe-Zeugnis für die nächsten 6 Monate ausgestellt hat. Er habe mich darauf angesprochen, ob ich überhaupt zufrieden bin, weil er es von vielen Patienten hört, dass die vom Haushaltsdienst nicht so gründlich sind. Meistens sind sie, bei ans Bett gefesselten Patienten und diese machen ja nicht so viel ‚Dreck‘. Als ich ihm dann erzählt habe, wie meine Putzelfe findet, dass mein Gründlichkeitsfimmel völlig übertrieben sei und durch die Krankheit kommt, ist er fast vom Stuhl gefallen vor lachen. Sie sagt nix dazu. Aber, ihr Kurzzeitgedächtnis ist wohl nicht in Schuss, denn 15min. später, erzählt sie mir wieder, dass ihr aufgefallen sei, dass aaaaaalle MSler übertriebene Perfektionisten sind und gaaarnicht dumm sind.

Und ich dachte bisher immer, ich hätte ein ganz schlechtes Taktgefühl! Ach und entschuldigen Sie bitte die Schreib und Kommafehler, ich habe MS und es könte seein, das ich dum binn.