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Freitag, 20.03.2020

#flattenthecurve

Die Woche ist endlich vorbei. Es war kaum machbar und ich bin sehr erledigt. Die Kinder und ich kriegen uns so wahnsinnig schnell in die Haare und ich werde so ungerecht. Danach habe ich so ein schlechtes Gewissen.

Heute musste ich sehr oft sagen, dass ich jetzt einfach nicht zuhören kann. Oder dass sie versuchen sollten ruhig zu sein weil ich mit der Pensionskasse telefonieren muss. Gleich auch noch erklären was eine Pensionskasse ist.

Passiv aggressive Emails beantworten und aufpassen um nicht selber nicht so zu klingen. Dafür dann eine extrem dünne Haut haben.

K2 hat endlich alle Schulsachen erledigt. K1 erzählt von lustigen Video seines Klassenlehrers welches er jeden Morgen auf dem Weg in die Schule für seine Schüler aufnimmt. Sie ermuntert Fotos reinzustellen und zu schreiben wie sie sich fühlen.

Mein Nervenkostüm ist zum zerreissen angespannt. Ich hätte einfach nur gerne etwas Ruhe.

Badminton spielen im Garten wird zum Ritual nach dem ganzen Home-Office-Schooling und was weiss ich was alles.

Ich erzähle während dessen K1 vom sauberen Wasser aus den Kanälen in Venedig. Er schlägt vor, man sollte jedes Jahr einen Monat im Jahr für Lockdown reservieren. Dafür ohne das Virus, rein freiwillig der Umwelt zu liebe. Und dank lese ich später dass das nur davon kommt, weil keine Boote mehr drüber fahren und er Dreck sich auf den Boden gelegt hat.

Tja.

Jetzt werde ich versuchen allen Geräuschen aus dem Weg zu gehen. Und mit niemanden mehr zu sprechen da sonst mein Kopf explodiert. Zum Glück ist morgen Wochenende und wir können zu Hause bleiben. Haaa haaa…

Passt auf euch auf und bleibt gesund!

❤️

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Flattenthecurve

Donnerstag, 19.03.2020

Beinahe habe ich vergessen, welcher Tag denn nun ist. Auch sonst habe ich diese Woche so eher einiges nicht im Griff. Heute war aber gut. Ich konnte tatsächlich einiges wegarbeiten und gemäss meiner Rapportierung, war das der erste produktive Tag der Woche. Also das, was sichtbar ist.

Dieses Tagebuchbloggen ist echt schon was feines. Ich kann mich nur nicht so spontan entscheiden, worüber ich denn jetzt tatsächlich schreiben möchte. Nun ja, vielleicht krieg ich das dann auch besser hin. Gestern hat übrigens jemand mit folgender Suche zu mir gefunden: Dein langweiliges Leben. Ist das nicht herrlich?!? Und auch noch: Das Leben mit 40. Hmmm…ich hoffe, die Person wurde nicht enttäuscht!

K2 konnte ebenfalls den ersten Tag so richtig produktiv arbeiten. Bis er sich in die Plattform des Französischbuches einloggen wollte. Absturz. Warten. Was ich echt beeindruckend finde, dass das Kind sofort reagiert und den Lehrer im Schulchat anschreibt und das Problem mitteilt und erklärt woran es liegen könnte. Ich habe ihm vorgeschlagen, es doch mal am Nachmittag zu versuchen weil da vermutlich weniger Kinder die Hausaufgaben machen. Hat funktioniert. Wir hatten nur 1x eine Auseinandersetzung.

K1 war den ganzen Tag schulisch eingespannt. Am frühen Morgen, noch vor dem Frühstück, hat er seine Laufrunde über 5km mit dem Mann gejoggt. Später kam dann die Nachricht vom Sportlehrer, dass sie für nächste Woche ein neues Sportprogramm bekommen weil er nicht weiss, wie weit das Lockdown gehen wird. So verschwand er für den Rest des Tages mit dem Notebook in seinem Zimmer. Zwischendurch holte er sich noch schnell was zum knabbern. Nach dem Mittagessen eine kurze Pause und am Nachmittag ging es gleich weiter. Die Schule rief dazwischen auch noch kurz an um sich erkundigen, wie das Homeschooling läuft und was unser Eindruck ist. Noch etwas später kam eine richtig lange und informative Email vom Klassenlehrer. Ich bin noch immer sehr beeindruckt von diesem Engagement.

Schon wieder Badmiton gespielt und jetzt haben wir Muskelkater im Unterarm. Ich hatte nämlich schon wieder Verschwörungsvideos bekommen und auf mein „nein, danke“ bekam ich die antwort, dass jeder halt das glauben soll was für ihn stimmt. Jaaaa, verdammte Kacke, RISIKOGRUPPE! Ich will nicht darüber diskutieren weil das Virus für mich super gefährlich ist! Meine Psychologenfreundin würde sagen, solche Leute wären früher einfach ganz nach vorne an der Front gerannt und dann wären sie einfach in den Graben gefallen. Soziologisch gesehen, brauche es solche Leute. Also beim Badmiton so richtig mit dem Schläger reinhauen!

Nach diversen Geschäftstelefonaten war mir klar, dass ich noch ins Büro muss um Unterlagen zu besorgen bzw. weiter zu leiten. Also wollte ich mich gegen 18:00 Uhr auf den Weg ins Büro machen weil dann keiner mehr da ist. Nur habe ich die Büroschlüssel nicht mehr gefunden. Zum Glück lagen sie dann im Auto. Im Büro zuerst in den Estrich die Akten kontrollieren. Danach in mein Büro die fehlenden Dokumente zusammen suchen. Da stand plötzlich ein Mitarbeiter in der Türe. Und ich habe ihn nur kurz angeschrien er soll mich nicht anhusten, nicht anfassen und am besten garnicht mit mir reden :))) Ich stand da mit einem Haarnest auf dem Kopf (Akten im Estrich herumbiegen) in einer Schluffijeans und Hoodie vom Mann. Aber, ich hatte Lippenstift drauf! Wir haben uns kurz über die Situation unterhalten. Danach noch den Rest an Material in meine Handtasche gestopft und auf dem Weg zum Auto noch im Archiv vorbei gegangen. Danach ausgiebigst die Hände desinfiziert. Ich habe ein kleines Fläschchen Desinfektionsmittel, mein Schaaaatz. Auf dem Weg ins Büro ist mir eingefallen, dass ich Einweghandschuhe hätte mitnehmen sollen. Als ich meine Briefumschläge mit den Löhnen in den Dorfbriefkasten geworfen habe und ich diesen Metalldeckel angefasst habe, hat es im Gesicht so unglaublich angefangen zu jucken. Fassen Sie sich nicht ständig ins Gesicht! Gleich wie, denke nicht an den rosaroten Elefanten! Bäääh! Und auf dem Weg ins Büro an einem abgeräumten Unfall vorbei gefahren. Die Polizei stand noch da und ich habe einen ganz kurzen Moment überlegt, diese durch das offene Fenster zu fragen ob sie mir einen Einweghandschuh schenken könnten. Ich habe es dann doch gelassen und bin weiter gefahren…Mein Arbeitskollege wäre sicherlich noch viel verstörter gewesen, hätte ich Plastikhandschuhe angehabt als er mich angetroffen hat.

Zu Hause die Reste vom mega leckeren Abendessen der Jungs in mich hineingedrückt als ob es kein Morgen gäbe. Ich sag euch, während dieser Isolation werde ich einfach noch dicker als ich es jetzt schon bin. Später mit den Kids jeweils in ihren Betten toben und ihnen zeigen, dass ich noch immer stärker bin als sie. Mal sehen wie lange noch.

Bleibt gesund und lasst euch nicht verrückt machen!

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Mittwoch, 18.03.2020

Was für ein Tag! Himmel! Alles auf Überholspur und ein mysteriöser Apfelkuchen, gerieben.

Pünktlich noch Minuten vor 08:30 Uhr wartete K1 eingeloggt auf seinen ersten Homeschooling Tag! Er war richtig aufgerecht und hat sich unglaublich gefreut.

K2 hingegen sass mit sichtlich schlechter Laune hinter seinem Laptop. Die Passwörter für die Schulplattform wurden per Post verschickt. Das konnte er einfach nicht verstehen und dass unsere Briefpost nicht vor 12:00 kommt, machte seine Stimmung nicht besser. Immerhin liess er sich dazu bewegen, das Quizlet zu installieren und wenigstens einen kleinen Teil der Englischwörter einzutippen. Als er dann beschäftigt war, fing es an Spass zu machen.

Dazwischen ruft K1 über den Tisch, dass er Kopfhörer mit Mikrophon braucht weil sie gerade eine Telefonkonferenz abhalten wollen. Als ich meine Ersatzkopfhörer rauskrame, sind sie einfach ein Kabelklumpen. Derweil wird K1 sehr nervös weil er den Anruf nicht entgegennehmen kann. Die Nerven liegen blank. Bis ich den Kabelsalat auseinanderfriemele, meldet der Lehrer, dass sie sich nicht alle gleichzeitig anmelden können und in separaten Gruppen dazugenommen werden.

K2 hat seinen Frust hingenommen und macht das Beste daraus. Irgendwann kann er sich dazu aufraffen die Sendung auf SRF My Scool anzuschauen.

Mein Mann wird nach der Arbeit einkaufen gehen, ich kontrolliere den Kühlschrankinhalt und schreibe einen Einkaufszettel in die Erinnerung damit ich diese laufend ergänzen kann.

Inzwischen habe ich mich ins Firmensystem eingeloggt und unser WLAN hääääängt…Schneckentempo. Der ehemalige Chef ruft mich an. Ihm fehlt eine Zusammenstellung aus dem 2018. Ob ich ihm diese besorgen kann weil er jetzt Zeit für Steuererklärung hat. Dafür müsste ich eigentlich ins Büro. VPN und so…

Ich will plötzlich einen Apfelkuchen backen. Ganz wage kann ich mich daran erinnern, dass ich in irgendwelchen Ferien so wahnsinnige Lust auf einen Apfelkuchen hatte. Mit geraffelten Äpfeln. Wir waren aber in einer Berghütte und da waren unsre Vorräte abgezählt. Für praktisch jeden Tag. Damals haben mir genügend Eier gefehlt. Und das ruft scheinbar bei mir irgendeinen Urdrang aus mit unbändiger Lust nach Apfelkuchen. Und ich hatte ja jetzt alles zu Hause!

Rezept für Apfelkuchen googeln.

Zuerst aber die zweite Ladung Wäsche laufen lassen und das Katzenklo putzen.

Freundin schreibt ob K2 mit ihren zwei Kindern und dem Hund Gassi gehen möchte. Ihre Kinder halten sich an social distancing und weil ich weiss, dass sie sich wirklich an die Vorgaben hält frage ich K2. Er jubelt. Und kommt nach einer Stunde glücklich und pünktlich nach Hause.

In der Zwischenzeit ist K1 bei den letzten Minuten Schule und betreibt Tel.Co. mit seinen Klassengspändlis während ich versuche Emails zu beantworten und Homeoffice-untaugliche Aufgaben meiner Kollegin weiter zu leiten.

Mittagessen kochen. Und endlich den Apfelkuchen anfangen. Da reisst mir erstmal der Geduldsfaden und ich schreie herum. Aus völlig nichtigen Gründen. Naja. Wir machen alle eine Stunde Pause.

Endlich ist der Kuchen im Ofen. Die Post war da und K2 hat endlich alle benötigten Passwörter. Wir richten seinen Login und den Elternlogin ein. Er ist überglücklich. Erst recht als in den Aufgaben steht, dass er ein Duolingo-Account und einen Quizlet Account braucht. Duolingo hat er Englisch, Französisch und seit letzten Sommerferien auch Spanisch. So kann er die erste Aufgabe schon mal abhaken. Scheinbar macht ihn das richtig glücklich.

Als K1 mit dem aktiven Unterricht fertig ist, gehen wir alle raus. Es ist wunderbarstes Frühlingswetter. UND DER APFELKUCHEN IST FERTIG!!!!

Ich spiele noch gegen beide Jungs Badminton. Beisse mir recht blöd auf die Unterlippe und kann sie regelrecht knacksen hören. Ich stelle mir schon vor wie eine Blutfontäne aus meinem Mund spritzt und K2 ohnmächtig wird. Es hat nicht gespritzt, aber ich habe jetzt eine klaffende Unterlippe und sehr schlechte und langwierige Heilung, meine Medikamente und so.

Mann kommt mit dem Einkauf nach Hause und kocht mit K2 während K1 Klavier spielt. Eigentlich nimmt er nur Gitarrenunterricht, das Klavierspielen macht er nach Gehör. Ich bin erledigt. Nach dem Abendessen lasse ich mir ein Entspannungsbad ein. Schreibe dem Lehrer von K1 eine Dankesmail für die tolle Organisation.

Heute nur 1x fast geheult. Morgen überdenken wir unser Grossraumbüro, Wohzimmer mit dem 6er Esstisch für 3 Personen inkl. Unterlagen und Laptops. Der Mann arbeitet morgen Homeoffice, mal sehen ob das das WLAN aushält.

Bleibt gesund!

O-Ton K2: der Apfelkuchen ist legendär! Jawoll!