Welt MS-Tag 27. Mai 2015

Diese Woche ist Welt MS Tag und mir ist es ein grosses Anliegen zu zeigen, wie der Alltag mit MS aussehen kann.

Ich wollte Informationen, Fakten, Erfahrungen!

Mein Leben hat sich natürlich durch die Diagnose verändert.  Die Gespräche mit meinem Neurologen waren informativ, genügten mir aber trotzdem nicht. Ich brauchte mehr! Also wollte ich mich im Internet schlau machen. Sowas ist meiner Meinung nach nicht immer einfach. Leider wird in den Medien das Leben mit MS immer mit Rollstuhl gleichgestellt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man ohne Rollstuhl für gesund gehalten wird-was ich durchaus manchmal auch sehr schätze!

Für neu diagnostizierte MS-Patienten ist es für mich sehr wichtig zu zeigen, dass das Leben mit MS auch leichter verlaufen kann. Nicht jeder ist sofort nach der Diagnose so stark eingeschränkt. Natürlich gibt es auch sehr extreme Verläufe der Krankheit, da muss man schon realistisch bleiben. Im ersten Moment nach der Diagnose sollte man aber trotzdem nicht zusammenbrechen und den Lebensmut verlieren. Es ist wichtig, wirklich wichtig, zu kämpfen. Macht Sport so gut es geht, ernährt euch einigermassen gesund, liebt das Leben, vermeidet Stress, das sind ganz wichtige Zutaten für ein zufriedenes Leben und zwar auch ohne eine Krankheit.

Mit MS können wir nie wissen, was auf uns zu kommt. Pläne schmieden und weit in die Zukunft vorplanen, das kann sich als eher schwierig herausstellen. Kein kommender Tag ist wie der heutige. Die Symptome können sich täglich ändern und manchmal braucht es lange, falls überhaupt möglich, bis man herausgefunden hat, woher oder wovon diese Symptome verursacht werden. Manchmal ist es das Wetter, manchmal der weibliche Zyklus, manchmal die Psyche, manchmal die Nebenwirkungen der Medikamente, manchmal ist es einfach ein schlechter Tag. Haben kerngesunde Menschen nicht auch solche Tage?

Was, du hast MS? Sieht man dir nicht an!

Nur weil man uns diese Krankheit nicht ansieht, müssen wir uns nicht rechtfertigen. Wir wissen selber, wie heimtückisch und schwierig die Symptome sein können. Medien berichten gerne sehr dramatisch darüber und in Foren verliert man schnell jeglichen Lebensmut.

Manchmal denke ich, ich könnte ja ganz gut reden und meine positive Einstellung jedem der es hören und nicht hören will, unter die Nase reiben. Vielleicht habe ich Glück und meine Symptome bleiben so wie sie sind und die Krankheit verschlechtert sich nicht. Trotzdem bin ich realistisch und muss zugeben, dass auch ich nicht weiss, was der morgige Tag bringen wird. Ich habe mich nach der Diagnose gefragt, ob der Rollstuhl für mich schlimm wäre. Vielleicht tönt das völlig bescheuert weil ich noch nie an einen Rollstuhl gebunden war und ich möchte allen, die in dieser Situation stecken und an den Rollstuhl gebunden sind, auf keinen Fall zu nahe treten und mit meiner Ausssage verletzen!

Rollstuhl

Rollstuhl ist blöd! Rollstuhl schränkt ein! Rollstuhl ist nicht lustig! Trotzdem habe ich keine Angst vor dem Rollstuhl! Ich kann nicht genau sagen woher das kommt. Es ist ein Gefühl, tief in mir drin, vielleicht ist es auch einfach eine Naivität. Ich fände es bestimmt nicht lustig, wenn ich auf einen Rollstuhl angewiesen wäre. Ich weiss, dass ich mich mit einem Rollstuhl nicht mal mehr alleine in meinem Haus bewegen könnte. An meinen Alltag mit den Kindern will ich schon gar nicht denken. Es sind 15-20% der MS Betroffenen im Rollstuhl. Trotzdem habe ich keine Angst. Ich habe Angst vor ganz anderen Geschichten. Wir wissen ja, dass alles was durch Nerven im Gehirn und im Rückenmark gesteuert wird, kann durch die MS ausfallen. Es kann passieren, dass es sich nicht mehr zurückbildet und für immer so bleibt. In sehr seltenen Fällen kann es unmögliche und sehr hässliche Komplikationen geben, die ich hier überhaupt nicht aufschreiben möchte. Mir machen diese möglichen Probleme Angst und der Rollstuhl ist da nur noch Nebensache.

Ich liebe Schuhe und seit der MS kann ich keine hohen Absätze mehr tragen. Wenn mein Mann dabei ist, kann ich mich in meinen Schwankmomenten wenigstens noch an ihm festkrallen. Alleine würde ich mich nicht mehr trauen hohe Absätze zu tragen und ich liebe wirklich Schuhe. Also was mache ich? Manchmal schaue ich mir wunderhübsche Schuhe, mit Absätzen bis zum Himmel, an und ich bin trotzdem nicht traurig. Einerseits bin ich glücklich, dass die MS mich soweit in Ruhe lässt und andererseits denke ich, sollte ich jemals in einem Rollstuhl landen, dann werde ich mir die schönsten Schuhe kaufen, die ich kriegen kann. Das ist meine Art, mit dem Gedanken an einen Rollstuhl, umzugehen.

Lebenswertes Leben mit MS

MS ist eine echt gemeine und blöde Krankheit. Trotzdem möchte ich stark bleiben. Ich möchte HEUTE nicht daran denken, was MORGEN kaputt gehen könnte. Meine MS hat mir einen neuen Alltag beschert. Ich möchte sagen, durch MS lebe ich ein etwas anderes Leben als bisher. Ich bin ihr nicht dankbar dafür, aber ich habe mich mit ihr arrangiert. Mein Leben ist gut. Sie ist da und man sagt, dass sie nie wieder weg geht. Aber am Welt MS Tag sollten wir der Welt zeigen, dass das Leben trotz MS lebenswert sein kann. Ich bin froh, dass meine MS so verläuft, wie sie es bisher tut. Ich weiss, ich kann mich sehr glücklich schätzen und wie es aussehen könnte. Aber eben, es heisst könnte und nicht ist!

Allen MSlern dieser Welt wünsche ich die schönsten, knackigsten und glänzendsten Myelinbahnen mit strammen und zackigen Nerven!

Einige Tage nach meiner Diagnose bin ich vollgepumpt mit Kortison und zerstochen durch Copaxone auf diesen Videoclip gestossen. Er hat meinen Zustand so perfekt zusammengefasst:

Multiple Sclerosis International Federation, Beautiful Day

Ich wünsche uns allen Kraft, aus jedem Tag, einen wunderbaren Tag zu machen. ❤

#strongerthanms

wmsd2015

MS-News

MS-News ist ein neues Thema bei mir!

Hier werde ich regelmässig Links zu verschiedenen Informationen/Themen über MS teilen. Ich stosse immer wieder auf interessante Personen, Informationen, Klinische Studien, Forschung…usw. und das werde ich jeweils hier teilen. Das sieht dann etwa so aus:

15. Mai 2015

Nintendo Wii

Was hat ein Computerspiel mit Multipler Sklerose zu tun? Viel! Regelmässiges Training mit der Nintendo Wii verändert die Hirnstrukturen, verbessert das Gleichgewicht und hilft bei Schwindel. Hier der spannende Artikel von Amsel.de oder auf Englisch bei ActiveMSers.

******************

JuSu von Mama-Schulze
schreibt seit 2015 einen Blog über ihr Leben mit MS. Bisher hat sie als Mama-Schulze über ihren Mama-Alltag gebloggt und sich dann entschieden, über ihr Leben als berufstätige Mama mit Multipler Sklerose zu schreiben. Bei ihr gibt es immer wieder spannendes zu lesen!

******************

Dr. Dunja Voss
schreibt in ihrem Blog über Psychoanalyse und Psychosomatik. Sie schreibt sehr interessant und erklärt die verschiedenen Arten der Psychoanalyse und Psychosomatik. Sie bietet Beratungsgespräche über Email oder auch Telefon an.

Klinische Studien für Medikamente

Vor einigen Tagen habe ich einen einen Beitrag zu klinischen Studien der MS-Medikamente gelesen und bin mehr oder weniger schockiert.

Einerseits war ich, als ich noch angestellt war u.a. für die Verträge der klinischen Studien verantwortlich und kenne die immensen Hürden, die genommen werden müssen, bevor ein Medizinalprodukt endlich für den Markt zugelassen wird. Andererseits stehe ich selber vor einem Medikamentenwechsel und werde ein Medikament nehmen, welches ganz neu auf dem Markt ist. Ein neues Medikament ist meines Erachtens immer mit Vorsicht zu geniessen.

Nun, in diesem Artikel (http://www.zeit.de/2014/12/medikament-gilenya-arzneimitteltest-russland) wird die erschreckende Vorgehensweise beschrieben.

Kurz nach meiner Diagnose wurde mir bewusst, wie die Medikamentenlobby bei dieser Krankheit funktioniert. Zuerst wird erklärt, dass es ganz viele Therapiemöglichkeiten bei MS gibt und der Patient sogar eine grosse Auswahl hat. Pustekuchen. Die Realität sieht ganz anders aus. Die Medikamente sind nur zur Symptombekämpfung da und meistens ist man sich nicht sicher, wie die überhaupt funktionieren.

Ich entschied mich, täglich ein Medikament spritzen, welches einen 30% Schutz hat, falls man überhaupt das Glück hat und es wirkt. Die Wirkung ist sehr umstritten und in gewissen Ländern werden diese Medikamente bei MS garnicht eingesetzt, weil man nicht weiss, wie es überhaupt wirkt. Also spritzt man sich damit den Körper voll, fühlt sich schlecht weil jedes Medikament einen Rattenschwanz an Nebenwirkungen hat.

Dazu kommen die Kosten dieser Medikamente. Wenn ein Medikament seit über 20 Jahren auf dem Markt ist, einen Schubschutz von evtl. 30% hat, man nicht genau weiss, wie es funktioniert, die MS Jahrelang ruhig sein kann auch ohne Medikamente…und das für stolze CHF 1500.- für 28 Stück. Dazu schädigt es ganz viele andere Organe und es sollte das mit den mildesten Nebenwirkungen sein. Die Nebenwirkungen sind auch der Grund, weshalb ich damit aufhören muss.

Jetzt hat meine Krankenkasse die Kostenübernahme für mein neues Medikament geschickt. Ich warte bis es geliefert wird und hab eigentlich garnicht das Gefühl, dass ich aktiv etwas gegen diese Krankheit mache. Es ist ja offenbar immer noch nicht klar, wie diese Krankheit entsteht. MS ist seit ca. 14 Jahrhundert bekannt. Aber die Pharmaindustrie kann sehr viel Geld damit verdienen. Ich bin manchmal kurz davor an Verschwörungstheorien zu glauben. Aber lassen wir das mal.

Nun, jetzt lese ich, wie diese klinischen Studien zur Zeit durchgeführt werden. Wie die Menschen aus ärmeren Ländern ausgenutzt und als Versuchskaninchen missbraucht werden. Diese kennen ihre Patientenrechte nicht und werden nicht ausreichend informiert. Diese Versuchspersonen setzen die Medikamente zum Teil heimlich ab, weil sie die Nebenwirkungen nicht mehr ertragen. In der Studie rutschen diese Nebenwirkungen und die Risiken einfach durch ein Raster und werden nicht erfasst.

Jetzt bekomme ich ein Medikament, welches erst seit Monaten eine Bewilligung hat. Ich lese die Informationsbroschüre und kriege schon beim Lesen beinahe Panik wegen der am häufigsten auftretenden Nebenwirkungen, die schon auf der zweiten Seite aufgeführt sind. Ach ja, dieses Medikament hat wieder einen Schutz von 30%. Die Kosten, die ich der Krankenkasse dadurch verursache, sind immens. Ich muss die ersten Monate regelmässig zum Check und werde vermutlich auch noch Medikamente gegen die Nebenwirkungen nehmen müssen.  In der Schweiz hat mal als MS-Patient offenbar eine besondere Stellung und wird ziemlich verwöhnt. Man könnte ganz viel Mitleid und die buntesten Pillen dafür bekommen.

Ich frage mich nun: ist es das wirklich wert?