Eltern mit Behinderungen: Leben mit ADHS

Ich habe fremdgebloggt bzw. einen Gastbeitrag geschrieben

Organisation ADHS

Vor einiger Zeit hat mich Ju vom tollen Blog wheelymum (Eltern mit Behinderung und chronischer Krankheit meets Familienleben) gefragt, ob ich einen Gastbeitrag zu Eltern mit Behinderungen schreiben möchte. Sie fände es spannend, einen Einblick zu bekommen, wie das Leben mit ADHS, MS und einem ADS-Kind so ist. Ich war natürlich sofort dabei. Erst als ich anfing zu schreiben, merkte ich, wie kompliziert die ganze Geschichte eigentlich ist. Wie soll ich all die Höhen und Tiefen in einem Blogpost unterbringen? Es soll informativ und interessant werden, gleichzeitig möchte ich die Persönlichkeitsrechte meines Kindes wahren…gar nicht so einfach.

Hier geht’s lang zu meinem Gastbeitrag

 

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Heute ist Katarina zu Gast bei mir. Vielleicht kennt ihr sie schon, auch von ihrer tollen Blogparade. Ich bin nicht du. Katarina lebt in der Schweiz, ist Mama zweier Söhne, hat MS und ADHS und …

Quelle: Eltern mit Behinderungen: Leben mit ADHS

ADHS und Mathe 1x1

Liebe Ju, vielen Dank für dein offenes Ohr!

Wie ich zu früh kam

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben…oder so. Es geht aber auch anders. Hier ein kleines Schmankerl aus meinem Alltag, immer etwas gehetzt, zu spontan, ungeplant…

Wie im letzten Post erwähnt, war am 25. Mai 2016 der Welt-MS-Tag. Weltweit gab es verschiedene Veranstaltungen dazu und es wurde auf Multiple Sklerose aufmerksam gemacht.

Welt MS Tag

Jetzt muss ich etwas ausholen

Einen Tag vor dem Welt-MS-Tag sah ich auf der Seite vom Universitätsspital Zürich, dass sie eine sehr interessante Infoveranstaltung organisieren.

Ich rief meinen Mann an und checkte seine Termine für den nächsten Nachmittag. Wie es der Zufall so wollte, konnte er kurzfristig den Nachmittag am Mittwoch als Homeoffice arrangieren und die Kinder neben bei beaufsichtigen. Also fragte ich bei der Anmeldestelle am Universitätsspital an, ob ich mich noch so kurzfristig für diese Veranstaltung anmelden kann. Eine sehr nette Antwort kam, ja natürlich kann man sich noch anmelden und sie würden übrigens den Staublos-Blog auch kennen! Ha!

Ich war schon dezent aufgeregt und freute mich sehr darauf! (Eigentlich hätte ich da schon misstrauisch werden sollen, denn solche kurzfristigen Aktionen klappen hier erfahrungsmäss nur selten. Irgendwas kommt immer dazwischen.)

Am nächsten Morgen war auf all meinen Social-Media Kanälen der Welt-MS-Tag ein grosses Thema. Also ging ich auch noch schnell auf die Seite der Schweizerischen Multiple Sklerose Gesellschaft weil die meinen Artikel kommentiert haben. So sah ich, dass die Schweizerische Multiple Sklerose Gesellschaft ebenfalls eine Veranstaltung geplant hat.

1. Schweizerischer MS Tag

Ich dachte mir ej, wenn ich ja sowieso nach Zürich fahre, da muss ich auch unbedingt hin! So könnte ich zuerst an die Veranstaltung vom 1. Schweizer MS Tag und danach flitze ich zum Universitätsspital und besuche auch noch die Infoveranstaltung. Auf Googlemapps mal die Karte genau angeschaut und beschlossen, klar, das geht auf und das schaffe ich locker.

Hier nimmt mein Welt-MS-Tag eine andere Wendung

Man stellt sich vor: ich bin schon sehr aufgeregt, freue mich, endlich an eine solche Veranstaltung zu gehen. Dass das mit Homeoffice klappt, strahlender Sonnenschein ist und obwohl alles sehr kurzfristig ist, werde ich einen spannenden Nachmittag verbringen. Dachte ich. Haa haaaaa…

Während ich noch auf Google die beste Route studiere, rufe ich meine Freundin an die in Zürich lebt. Sie bestätigt mir meinen Plan und denkt, dass das mit beiden Veranstaltungen bestimmt aufgeht. Wir verabreden uns noch für ein Treffen danach. Neben bei bereite ich das Mittagessen vor und drucke meine Route aus weil ich kein Navigationsgerät habe. Als der Mann nach Hause kommt, sagt er noch, dass ich unbedingt die blabla Ausfahrt nehmen soll, springe ins Auto und fahre los.

So wie es das Gesetzt will, verpasse ich vor Zürich diese erste blabla Ausfahrt, muss wenden und gehe dann bei der richtigen Ausfahrt wieder raus. Ich gebe es zu, mein Orientierungssinn lässt mich manchmal im Stich.

Mit ein paar kleinen Umwegen, weil überall Baustellen, kam ich dann zu diesem Areal, parkte das Auto in einer seltsamen Parkgarage und stampfte los. Natürlich zuerst in die falsche Richtung. Als ich dann bei diesem Gebäude stand, war kein Mensch da. Hmm…ich hatte eigentlich erwartet, dass das gross aufgezogen wurde. Irgendwo ein Plakat steht und es angeschrieben ist, wo die Veranstaltung statt findet. Also stampfte ich wieder raus, umrundete das ganze Gebäude weil vielleicht anderer Eingang und so. In der Zwischenzeit war es richtig warm geworden, ich fing an zu schwitzen und stellte die spontane Aktion etwas in Frage.

Nix. Also ging ich fragen, kein Mensch wusste aber, wovon ich rede. In diesem Moment war ich schon ziemlich genervt und beschloss, sofort zum Universitätsspital zu der anderen Veranstaltung zu gehen. An der Tramstation überlegte ich noch hin und her und beschloss kurzerhand, doch direkt mit dem Auto hin zu fahren. Geplant war, ich lasse das Auto bei der ersten Veranstaltung stehen, nehme das Tram zum Universitätsspital und treffe mich am Abend mit der Freundin. Danach wieder mit Tram zum Auto und nach Hause fahren. Da an diesem Abend auch noch ein Fussballspiel statt fand, sah ich mich mit den johlenden Fans im Tram eingesperrt. Diese Vorstellung fand ich so erschreckend,  so dass ich mich entschied, mit dem Auto dorthin zu fahren. Schliesslich werde ich nach dem Tag bestimmt schon sehr müde sein und ich brauch ja auch wieder eine Stunde Autofahrt bis nach Hause uuund, das Parkaus war echt seltsam, das finde ich 6 Stunden später sicher auch nicht mehr…und, ich hab ja noch knappe 50min. Zeit.

Kaum fuhr ich aus diesem ominösen Parkhaus raus, reihte ich mich in einen Stau rein. Dachte mir aber noch nix dabei weil ich ja noch ganz viel Zeit hatte. Ha haaa…so stand ich über 50min. im Stau, konnte keine Abkürzung nehmen…naja.

In der Zwischenzeit war ich so genervt, dass mich jedes weitere rote Signal nur noch aggressiver machte. Nachdem ich endlich aus diesem blöden Stau raus war, hatte die Veranstaltung im Universitätsspital bereits angefangen. Auf der Suche nach einem freien Parkhaus in der Nähe, war es dann vorbei mit meiner Geduld. Entweder lasse ich das Auto einfach irgendwo stehen oder ich fahre wieder nach Hause.

So beschloss ich kurzerhand, die ganze Aktion hinzuschmeissen und nach Hause zu fahren.

Was danach geschah

Nachdem ich also den freien Nachmittag im Auto verbracht habe, kam ich völlig verschwitzt und erledigt wieder nach Hause. Mein Mann konnte es fast nicht fassen, genau wie ich selber. Ein riesiger Aufwand für nix und wieder nix. Mit meiner Freundin hab ich mich über meine panikartige Flucht auch noch lustig gemacht. Aber ich war richtig, richtig, richtig, ähm – genervt.

Am nächsten Tag rief meine andere Freundin an um zu fragen, wie die Veranstaltung denn war. Als ich ihr erzählte, dass da überhaupt kein Mensch war, sagte sie plötzlich, ej, du warst einen Monat zu früh da!

Wem ist das Datum oben auf dem Flyer aufgefallen?

Der 1. Schweizer MS Tag findet am 25. JUNI statt. Weil ich doch manchmal nicht so genau hin schaue, danke ADHS, habe ich nur den 25. gesehen und bin davon ausgegangen, wenn 25. Mai Welt MS Tag ist, dann ist die Veranstaltung dann. Tjoa…in der Schweiz ist das halt nicht so.

Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.

Frauen mit ADHS: ein spannendes Thema diese Woche bei Edition_F und mein Interview

Vor einigen Tagen habe ich mit Lena von Edition_F über mein ADHS gesprochen.

Edition_F widmet diese Woche dem Thema Frauen mit ADHS und stellt jeden Tag eine ADHS-betroffene Frau vor.

Im Interview mit Dr. Ahlers habe ich mich unter sehr vielen seiner Aussagen erkennen können und habe auch immer wieder genickt. Seine Zusammenfassung zu diesem Thema finde ich sehr treffend.

Es geht darum zu zeigen, dass nicht nur Jungs, sondern auch Mädchen von ADHS betroffen sind und ADHS manchmal auch erst im Erwachsenenalter diagnostiziert wird.

Deshalb freue ich mich sehr, dass ich bei Edition_F darüber sprechen konnte. Hier geht es zu meinem Interview.

Die Zeit meiner Diagnosestellung habe ich als sehr positiv empfunden und habe damals hier darüber geschrieben. In den nächsten Tagen möchte ich ausführlich zeigen, wie sich der Alltag mit ADHS anfühlt und vor allem, zu welchen Problemen meine Reizüberflutung mit einem ADS Kind führen kann…denn, es ist tatsächlich anstrengend, aber wir reden beide sehr viel und sehr ausschweifend darüber (Mutter-Kind-Gespräch über den inneren Schweinehund)

Vielen Dank Lena Lammers von Edition_F für den sehr netten Kontakt!

MS mit ADS oder ADHS

Ich liebe solche Kürzel! Mit Kürzeln kommt man schneller durchs Leben und verliert keine kostbare Zeit mit ausschreiben der langen Wörter…

Wie bereits bekannt, wurde mein Sohn mit ADS (Aufmerksamkeitsdefizit-/ ohne Hyperaktivitätsstörung) diagnostiziert. Der Weg bis zur Erkenntnis warum er so handelt, wie er eben handelt, war lang.

Was hat das aber mit meiner MS (Multiple Sklerose) zu tun?

Wenn ich vor einem Problem stehe, oder mit einer Diagnose konfrontiert werde, dann nehme ich das nicht einfach nur so hin und akzeptiere. Ich besorge mir Unmengen an Literatur darüber und werde ziemlich schnell zu einem Experten in diesem Bereich. Erklärt auch mein Vorgehen bei der MS Diagnose und deshalb habe ich auch überhaupt zu bloggen angefangen. Ist manchmal gut und manchmal eben weniger gut. So habe ich mich gefragt, warum ich in letzter Zeit, und da geht es um einige mehrere Monate, ein Problem mit der Reizüberflutung habe. Ich habe meinen Neurologen darauf angesprochen, ob denn sowas ein MS-Symptom sein könnte und was ich dagegen machen könnte. Ich erzählte ihm auch, dass bei meinem Sohn ADS diagnostiziert wurde und ich in der Fachliteratur einige Merkmale gefunden hätte, die auch bei mir sehr gut zutreffen. Er riet mir zu einer ausführlichen ADS(h)S Abklärung.

Mein Zustand wurde für mich mittlerweile schon ziemlich unerträglich, was mich dazu veranlasste, auch mit meinen 36 Jahren diese Abklärung zu machen. Nach den Fragebögen und den Gesprächen, scheint die Richtung AD(h)S ganz klar gegeben zu sein. Lustigerweise wurde mir in diesen zwei Sitzungen so vieles klar. Es fiel mir so zu sagen wie Schuppen von den Augen. Natürlich habe ich AD(h)S! Viele meiner Macken, kommen von AD(h)S. Einiges ist natürlich Charaktersache. Aber ich habe offenbar gelernt, mit dieser Aufmerksamkeitsstörung umzugehen und habe für mich ganz viele verschiedene Strategien entwickelt. Ich habe mir unbewusst ganz viel Struktur im Alltag aufgebaut. Unordnung und Zerstreutheit machen mich nervös und ich versinke in Chaos und verliere die Kontrolle. Bisher bezeichnete ich mich als Kontrollfreak, als extrem pingelig, als kompliziert und halt etwas nervös…usw. Jetzt weiss ich, dass das alles meine Strategie gegen die Unordnung in meinem Kopf ist. Wenn ich vor einem Problem stehe, kann ich innerhalb kürzester Zeit eine Lösung finden. Hat sich diese Lösung in meinem Kopf festgesetzt und ich eine klare Vorstellung davon habe, ist es für mich ein Problem, wenn das eben nicht ganz so funktioniert. Ich muss alles kontrollieren, weil ohne Kontrolle, mein Alltag schnell in ein Chaos stürzen würde.

Deshalb ist mir auch klar, warum ich so viele Arbeitsstellen gewechselt habe! Ich organisiere so gerne und ein Chaos zu beseitigen, bereitet mir die grösste Freude. Wenn ich aber meinen Job erledigt habe und alles eine Struktur hat und einigermassen reibungslos läuft, na dann wird es mir langweilig. Mit Langeweile oder monotoner Arbeit kann ich nicht umgehen. Langeweile löst grosse Unruhe in mir aus. Das hat offenbar alles mit AD(h)S zu tun.

Was ist jetzt mein Problem, wenn ich doch seit 36 Jahren damit leben konnte?

Ha! Die MS! Genauer gesagt meine Erschöpfung, die Fatigue! Über diese gemeine und unberechenbare Erschöpfung, die mich einfach so plötzlich aus dem Nichts befällt, habe ich schon ganz oft hier und z.B. hier mit treffender Beschreibung geschrieben . Die MS hat meine, jahrelang antrainierten, Verhaltensmuster völlig aus der Bahn geworfen. Weil ich durch ADS ein nervöser und rastloser Mensch bin, der Stress liebt und unter Druck wunderbarst arbeiten kann. Da bremst mich die MS aus. Durch diese Erschöpfung sollte ich entgegen meinem eigentlichen Naturell, anders mit meinem Stress umgehen. Wir wissen, Stress und MS vertragen sich überhaupt nicht gut. Deshalb rät mir mein Neurologe auch immer wieder, ob es für mich ratsam wäre ins Berufsleben wieder einzusteigen. Ich kann Stress nicht dosieren und merke erst wenn es zu spät ist, dass es zu viel war. Jetzt ist aber so, dass die MS mich mit der Fatigue ausbremst und mein inneres Gleichgewicht völlig aus dem Lot geraten ist.

Eigentlich ist für mein Naturell die MS eine ziemlich falsche Krankheit. Aber ist es vielleicht so, dass mein Körper durch diesen ständigen Stress und die Rastlosigkeit, irgendwann einfach genug hatte und deshalb sich die MS entwickelt hat? Hier möchte ich festhalten, dass AD(h)S sicherlich nicht zu MS führt und das keine wissenschaftlich hinterlegte Aussage ist. Ich frage mich nur für mich, habe ich durch meinen Perfektionismus, durch meinen Kontrollwahn und durch meine Liebe nach Stress, meinem Körper über Jahre zu viel zugemutet? Habe ich die Zeichen des Körpers nicht erkannt und habe einfach weiter gemacht bis mein Immunsystem durchgedreht ist und sich selber angegriffen hat? War MS für mich ein Warnschuss des Körpers um zu zeigen, so weit und weiter geht’s nicht, du entscheidest selber?

Bei mir haben diese zwei Sitzungen betrf. ADS Abklärung jedenfalls sehr viel zur Selbsterkenntnis geführt. Nur schon für die Tatsache, dass ich jetzt so vieles mit anderen Augen sehe und es jetzt plötzlich so klar erscheint, schon dafür hat sich die Abklärung gelohnt. Auch für die vielen Lacher, die ich bei den Fragen hatte wie z.B. Reden Sie viel und unterbrechen Sie manchmal Menschen weil, wenn Sie sie ausreden lassen würden, Sie ihren Kommentar vergessen könnten? Oooh ja…

Ich denke, dass es für mich eine sehr grosse Herausforderung werden wird, aus den alten Verhaltensmustern auszubrechen. Die Therapeutin empfiehlt mir trotz der Bedenken des Neurologen ins Berufsleben wieder ein zu steigen, aber mit einem wirklich kleinen Pensum. Ich muss aufpassen, nicht ein Problem mit der MS zu bekommen, weil ich durch ADS ein anderes Stressempfinden habe.

Jetzt bin ich sehr gespannt, welchen Weg ich hier einschlagen werde. Meinem Mann kann ich jedenfalls sagen, dass ich nur ein wenig verrückt bin und jetzt einen Freischein dafür bekomme 🙂