Eltern mit Behinderungen: Leben mit ADHS

Ich habe fremdgebloggt bzw. einen Gastbeitrag geschrieben

Organisation ADHS

Vor einiger Zeit hat mich Ju vom tollen Blog wheelymum (Eltern mit Behinderung und chronischer Krankheit meets Familienleben) gefragt, ob ich einen Gastbeitrag zu Eltern mit Behinderungen schreiben möchte. Sie fände es spannend, einen Einblick zu bekommen, wie das Leben mit ADHS, MS und einem ADS-Kind so ist. Ich war natürlich sofort dabei. Erst als ich anfing zu schreiben, merkte ich, wie kompliziert die ganze Geschichte eigentlich ist. Wie soll ich all die Höhen und Tiefen in einem Blogpost unterbringen? Es soll informativ und interessant werden, gleichzeitig möchte ich die Persönlichkeitsrechte meines Kindes wahren…gar nicht so einfach.

Hier geht’s lang zu meinem Gastbeitrag

 

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Heute ist Katarina zu Gast bei mir. Vielleicht kennt ihr sie schon, auch von ihrer tollen Blogparade. Ich bin nicht du. Katarina lebt in der Schweiz, ist Mama zweier Söhne, hat MS und ADHS und …

Quelle: Eltern mit Behinderungen: Leben mit ADHS

ADHS und Mathe 1x1

Liebe Ju, vielen Dank für dein offenes Ohr!

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MS mit ADS oder ADHS

Ich liebe solche Kürzel! Mit Kürzeln kommt man schneller durchs Leben und verliert keine kostbare Zeit mit ausschreiben der langen Wörter…

Wie bereits bekannt, wurde mein Sohn mit ADS (Aufmerksamkeitsdefizit-/ ohne Hyperaktivitätsstörung) diagnostiziert. Der Weg bis zur Erkenntnis warum er so handelt, wie er eben handelt, war lang.

Was hat das aber mit meiner MS (Multiple Sklerose) zu tun?

Wenn ich vor einem Problem stehe, oder mit einer Diagnose konfrontiert werde, dann nehme ich das nicht einfach nur so hin und akzeptiere. Ich besorge mir Unmengen an Literatur darüber und werde ziemlich schnell zu einem Experten in diesem Bereich. Erklärt auch mein Vorgehen bei der MS Diagnose und deshalb habe ich auch überhaupt zu bloggen angefangen. Ist manchmal gut und manchmal eben weniger gut. So habe ich mich gefragt, warum ich in letzter Zeit, und da geht es um einige mehrere Monate, ein Problem mit der Reizüberflutung habe. Ich habe meinen Neurologen darauf angesprochen, ob denn sowas ein MS-Symptom sein könnte und was ich dagegen machen könnte. Ich erzählte ihm auch, dass bei meinem Sohn ADS diagnostiziert wurde und ich in der Fachliteratur einige Merkmale gefunden hätte, die auch bei mir sehr gut zutreffen. Er riet mir zu einer ausführlichen ADS(h)S Abklärung.

Mein Zustand wurde für mich mittlerweile schon ziemlich unerträglich, was mich dazu veranlasste, auch mit meinen 36 Jahren diese Abklärung zu machen. Nach den Fragebögen und den Gesprächen, scheint die Richtung AD(h)S ganz klar gegeben zu sein. Lustigerweise wurde mir in diesen zwei Sitzungen so vieles klar. Es fiel mir so zu sagen wie Schuppen von den Augen. Natürlich habe ich AD(h)S! Viele meiner Macken, kommen von AD(h)S. Einiges ist natürlich Charaktersache. Aber ich habe offenbar gelernt, mit dieser Aufmerksamkeitsstörung umzugehen und habe für mich ganz viele verschiedene Strategien entwickelt. Ich habe mir unbewusst ganz viel Struktur im Alltag aufgebaut. Unordnung und Zerstreutheit machen mich nervös und ich versinke in Chaos und verliere die Kontrolle. Bisher bezeichnete ich mich als Kontrollfreak, als extrem pingelig, als kompliziert und halt etwas nervös…usw. Jetzt weiss ich, dass das alles meine Strategie gegen die Unordnung in meinem Kopf ist. Wenn ich vor einem Problem stehe, kann ich innerhalb kürzester Zeit eine Lösung finden. Hat sich diese Lösung in meinem Kopf festgesetzt und ich eine klare Vorstellung davon habe, ist es für mich ein Problem, wenn das eben nicht ganz so funktioniert. Ich muss alles kontrollieren, weil ohne Kontrolle, mein Alltag schnell in ein Chaos stürzen würde.

Deshalb ist mir auch klar, warum ich so viele Arbeitsstellen gewechselt habe! Ich organisiere so gerne und ein Chaos zu beseitigen, bereitet mir die grösste Freude. Wenn ich aber meinen Job erledigt habe und alles eine Struktur hat und einigermassen reibungslos läuft, na dann wird es mir langweilig. Mit Langeweile oder monotoner Arbeit kann ich nicht umgehen. Langeweile löst grosse Unruhe in mir aus. Das hat offenbar alles mit AD(h)S zu tun.

Was ist jetzt mein Problem, wenn ich doch seit 36 Jahren damit leben konnte?

Ha! Die MS! Genauer gesagt meine Erschöpfung, die Fatigue! Über diese gemeine und unberechenbare Erschöpfung, die mich einfach so plötzlich aus dem Nichts befällt, habe ich schon ganz oft hier und z.B. hier mit treffender Beschreibung geschrieben . Die MS hat meine, jahrelang antrainierten, Verhaltensmuster völlig aus der Bahn geworfen. Weil ich durch ADS ein nervöser und rastloser Mensch bin, der Stress liebt und unter Druck wunderbarst arbeiten kann. Da bremst mich die MS aus. Durch diese Erschöpfung sollte ich entgegen meinem eigentlichen Naturell, anders mit meinem Stress umgehen. Wir wissen, Stress und MS vertragen sich überhaupt nicht gut. Deshalb rät mir mein Neurologe auch immer wieder, ob es für mich ratsam wäre ins Berufsleben wieder einzusteigen. Ich kann Stress nicht dosieren und merke erst wenn es zu spät ist, dass es zu viel war. Jetzt ist aber so, dass die MS mich mit der Fatigue ausbremst und mein inneres Gleichgewicht völlig aus dem Lot geraten ist.

Eigentlich ist für mein Naturell die MS eine ziemlich falsche Krankheit. Aber ist es vielleicht so, dass mein Körper durch diesen ständigen Stress und die Rastlosigkeit, irgendwann einfach genug hatte und deshalb sich die MS entwickelt hat? Hier möchte ich festhalten, dass AD(h)S sicherlich nicht zu MS führt und das keine wissenschaftlich hinterlegte Aussage ist. Ich frage mich nur für mich, habe ich durch meinen Perfektionismus, durch meinen Kontrollwahn und durch meine Liebe nach Stress, meinem Körper über Jahre zu viel zugemutet? Habe ich die Zeichen des Körpers nicht erkannt und habe einfach weiter gemacht bis mein Immunsystem durchgedreht ist und sich selber angegriffen hat? War MS für mich ein Warnschuss des Körpers um zu zeigen, so weit und weiter geht’s nicht, du entscheidest selber?

Bei mir haben diese zwei Sitzungen betrf. ADS Abklärung jedenfalls sehr viel zur Selbsterkenntnis geführt. Nur schon für die Tatsache, dass ich jetzt so vieles mit anderen Augen sehe und es jetzt plötzlich so klar erscheint, schon dafür hat sich die Abklärung gelohnt. Auch für die vielen Lacher, die ich bei den Fragen hatte wie z.B. Reden Sie viel und unterbrechen Sie manchmal Menschen weil, wenn Sie sie ausreden lassen würden, Sie ihren Kommentar vergessen könnten? Oooh ja…

Ich denke, dass es für mich eine sehr grosse Herausforderung werden wird, aus den alten Verhaltensmustern auszubrechen. Die Therapeutin empfiehlt mir trotz der Bedenken des Neurologen ins Berufsleben wieder ein zu steigen, aber mit einem wirklich kleinen Pensum. Ich muss aufpassen, nicht ein Problem mit der MS zu bekommen, weil ich durch ADS ein anderes Stressempfinden habe.

Jetzt bin ich sehr gespannt, welchen Weg ich hier einschlagen werde. Meinem Mann kann ich jedenfalls sagen, dass ich nur ein wenig verrückt bin und jetzt einen Freischein dafür bekomme 🙂

Wochenrückblick 15.08.2015

Denise von http://fraeulein-ordnung.blogspot.com stellt diese Frage jedes Wochenende:

Was hat dich in dieser Woche glücklich gemacht?

„Ich zeige 4 – 6 meiner liebsten Fotos aus der Woche und schreibe 1 – 2 Sätze dazu.
Wer Lust hat, kann gerne beim Wochen(glück)-Rückblick mitmachen und sich bis Sonntag Abend verlinken (wer mag, kann dafür das erste Bild mitnehmen). So können wir gemeinsam unser Glück, die schönen Momente und fröhlichen Stunden festhalten.

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Am Montag hat bei uns die Schule wieder angefangen:

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Der Erstklässler nimmt am ersten Tag schon mal freiwillige Hausaufgaben mit:

Hausaufgaben

Da meine Reizüberflutung immer schlimmer wird und ich das nicht mehr steuern kann, hat mein Neurologe empfohlen, abzuklären ob es nur AD(h)S ist oder ob das Problem von der MS kommt. Ich hatte bereits einen ersten Termin zur Abklärung und muss jetzt noch Fragebögen ausfüllen. Bin schon gespannt, was da raus kommt und welche Empfehlungen ich bekomme:

ABKLÄRUNG

Am 12.08. habe ich bei 12von12 mitgemacht:

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Am Freitag kam bei uns endlich der abkühlende Regen. Dafür war ich am Nachmittag wie erschlagen und nicht mal der Kaffee hat geholfen:

kaffee

Die ehemalige Lehrerin des grossen Sohnes hat sich gemeldet und wir haben spontan ein Treffen vereinbart. Da sie meinen Sohn sehr gut kennt, hat sie mir ganz viele Bücher über ADS und Lernen mitgegeben und wir haben uns über Tipps rund um das Thema ADS und Schule ausgetauscht. Und wer weiss, vielleicht finde ich da Tipps, die auch mir im Alltag helfen können. Das war ein sehr schönes Treffen:

ADS

Heute haben die Jungs mit dem Mann zuerst die Bibliotheksbücher zurück gebracht, neue ausgeliehen und dann die bestellten Uhren abgeholt. Sie durften sich mit einem Teil ihres Taschengeldes, Uhren zum Schulstart kaufen. Die Hälfte haben sie wie abgemacht mit dem Taschengeld bezahlt, weil ich immer wieder versuche, ihnen zu zeigen, dass das Geld nicht einfach auf den Bäumen wächst und sie Sorge tragen sollen zu ihren Sachen. Jedenfalls sind sie jetzt waaaahnsinnig stolz auf ihre selbst gesparten ice-Uhren:

icewatch

Der Grosse ist den ganzen Samstag Nachmittag an einer Geburtstagsparty, der Kleine stellt mit dem Mann gerade die Eisenbahn auf und ich, ich weiss noch nicht was machen werde. Vermutlich etwas mit entspannen und ganz viel lesen…

Ach ja übrigens! Ich habe jetzt einen staublos Instagram-Account! Besucht oder folgt mir gerne bei Instagram oder auch bei facebook, das würde mich schon sehr freuen!

Auf diesem Wege wünsche ich allen einen guten Start in die neue Woche ❤