Spontane Ski-Ferien oder ein Vermögen ausgeben?

Spontane Ski-Ferien buchen

Arschloch-Zimmernachbarn gratis dazu bekommen

Spontan kann ich: Also habe ich kurzfristig angefangen, verschiedene Angebote im Internet zu durchforsten. Nach einem Nachmittag gab ich entnervt auf. Gefühlt die ganze Welt wollte in diesem Zeitraum in ein schönes Wellnesshotel mit tollen Skipisten. Ehrlich! Entweder war alles ausgebucht oder die 4 Nächte hätten so viel gekostet wie unser Sommerferienhaus für 12 Tage am Meer. Ich habe also gelernt, dass man Skiferien ganz bestimmt nicht SPONTAN entscheiden kann! Niemals!

Ein Familienzimmer in Tschiertschen

Als ich mich fast schon damit abgefunden habe, kein Hotel zu finden, ist mir doch noch eins entgegen geflattert. Ein Familienzimmer in einem 100 jährigen Holzhaus in Tschiertschen. Ich finde den Namen so lustig und könnte ihn ständig wiederholen: Tschiertschen, Tschieeeertschen, Tschiertscheeeen…

Am Freitag Vormittag solange die Kids noch in der Schule waren, alles fertig gepackt. Mein rechtes Auge hat unendlich mühsam angefangen zu zucken. Ich hätte es liebend gerne mit Tesafilm zugeklebt-so nervig!

Das Auto randvoll geladen, so, als ob wir 4 Wochen und nicht 4 Nächte verreisen würden. Mein Ziel war eigentlich, die ganzen Kinderkleider den Jungs jeweils in die Ergobags zu packen und jeder trägt sein Gepäck selber. Irgendwie muss mir entgangen sein, dass auch die Pullover von Kind1 jetzt die Grösse eines Jugendlichen haben. Hrmpf. Und Kind2 trägt jetzt fast die gleiche Schuhgrösse wie ich.

Im Radio ging es ständig um die Rückreise von Donald Trump aus Davos und sobald der Name fiel, lästerten die Kids wild drauf los, was sie schon über ihn gehört oder gelesen haben. (Zur Erinnerung, Kind1 als Trump und Kind2 als sein Bodyguard an der Schulfasnacht)

Auf der Gegenfahrbahn begegneten uns ständig Konvois aus schwarzen Limousinen in Begleitung von Polizeiautos in Richtung des Flughafens Altenrhein. Und als wir zum 1000 mal die irre WEF Rede von Donald Trump kommentierten, flogen aus Richtung  Davos, 5 Mitlitär-Helikopter in Richtung Zürich. In der Mitte flogen zwei Helikopter übereinander und wir waren sicher, dass Trump in einem dieser Helikopter war. Das war dann schon irgendwie skurril.

In Tschiertschen wurden wir von einer beachtlichen Menge Schnee empfangen, sie hatten 3.90m! Meine Alarmlichter „oh Gott, die Lawinengefahr“ blinkten schon hinter meinem zuckenden Augenlid. Und als wir auf den Shuttle (das Dorf ist Autofrei, oder einfach so fuckingunfassbar eng, dass kein Autofahrer ausser den Einheimischen dort durch kommt) warten um abgeholt zu werden, schaue ich, doofe Nuss, meine Emails an. Und zack, irgendwelche Probleme waren mit dem letzten Lohnlauf aufgetreten. Ich war ehrlich kurz davor das Smartphone in den nächsten Schneehaufen zu werfen! Habe stattdessen zuerst meiner liebsten Arbeitskollegin geschrieben, die schon Bescheid wusste und dabei war, das Problem zu lösen. Ich war trotzdem sehr genervt und meine Vorfreude auf Ferien war ordentlich angeschlagen. Hrmpf.

Unser Familienzimmer war hübsch. Es war eng aber ausreichend und ich hatte mich schon gefragt, wie lange es dauern wird, bis wir uns auf so kleinem Raum auf die Nerven gehen werden, schliesslich gab es überhaupt keine Ausweichmöglichkeiten. Die Sorgen waren aber unberechtigt, dazu weiter unten detailierter…Nachdem wir uns eingerichtet haben und das Dorf erkundet, ging es ins Hotelrestaurant. Zur Auswahl gab es Käse, Käse und Käse. Also haben Mann und ich ein Fondue bestellt und den Kids wurden leckere Kindermenüs angeboten. Ich sag’s so: Tod durch Fondue

Am Samstag, nach einem grossen Frühstück, ging es dann los auf die Piste. Wir fuhren alle vier auf den Berg und ich verbrachte den ganzen Tag in einem Liegestuhl vor der Skihütte. Ich fahre nicht Ski wegen kaputter Hüfte und Gleichgewichtsstörungen. Das Wetter war traumhaft! Es war so schön, dass ich nicht mal mein Buch hervorgeholt habe. Ich sass also ganz alleine da und starte in die weisse Weite vor mich hin. Die drei Jungs hielten vor jeder Abfahrt kurz bei mir an und berichteten, wie die letzte Fahrt war und wer wie oft hingefallen ist oder wie schnell sie hinunter flitzten. Habe ich eigentlich schon mal erwähnt, wie gerne ich mit mir alleine bin?

Irgendwann am Nachmittag fuhr ich mit Kind2 mit dem Sessellift wieder runter. Er hatte keine Lust mehr auf die letzte Abfahrt und wollte mit mir herunter fahren. Oh-Mein-Gott! Ich habe völlig vergessen, wie schrecklich es ist, mit dem Sessellift wieder zur Talstation zu fahren! Ich bin so ein Höhenangstschisser!

Wir haben neue Zimmernachbarn bekommen! Von nun an waren sie das vorherrschende Thema. Und es bestand plötzlich keine Gefahr von Langeweile auf engem Raum! Ich sag mal so: Arschlocherwachsene ziehen A-Kinder gross. Sorry, ist aber so! Vorbildfunktion!

Das Hotel war, wie bereits gesagt, ein über 100 Jahre altes Holzhaus. Neu renoviert aber hellhörig wie ein Zelt. Und dann war diese schreckliche Familie mit 5 Erwachsenen, verteilt auf mehreren Zimmern auf dem Stockwerk und insgesamt 5 oder 6 Kindern. Diese Kinder rannten also die ganze Zeit im Flur herum, brüllten, verpassten das Zimmer der Grossmutter und knallten in unsre Zimmertüre, fielen hinten raus und brüllten. Ein anderer Teil der Kinder versuchte die Feuerwehrleiter vom Balkon zu steigen oder abwechselnd die Metallstühle runter zu werfen. Die Grossmutter drauf angesprochen, erntete ich nur einen dämlichen Kuhblick. Erst später wurde mir bewusst, dass ihr nicht klar war, was ich eigentlich von ihr wollte. Sie kamen nie auf die Idee, sie könnten jemanden stören. Ich sollte aufhören nett und verständnisvoll zu sein und es so ansprechen, wie ich es eigentlich auch fühle.

Am nächsten Tag wieder auf dem Berg ausgelüftet. Dafür nicht mehr mit dem Sessellift runter gefahren, sondern bis ins Dorf gewandert. Im Schnee. Muskelkater aus der Hölle inklusive. Auf dem Weg hinunter bin ich immer wieder an der Skipiste vorbeigekommen und tatsächlich meine Jungs getroffen. Kind1 hat gefragt, woher ich denn immer wüsste, wo sie seien oder wann sie ausgerechnet kommen.

Unsere Höllennachbarn waren offenbar auch auf der Skipiste unterwegs und die Kinder erschöpft und übermüdet. Die Mutter füllte sie mit Zuckersirup ab und bot ihnen Gamezeit an. Scheinbar kennt sie keine Türen oder Privatsphäre, also wurde alles laut und ausführlich im Gang besprochen/gestritten/gebrüllt/geweint statt das im Zimmer zu erledigen. Und wieder knallte eins der Kinder in unsre Zimmertüre und zwar so, dass sie fast eingeschlagen wurde. Also bin ich zur Rezeption gestampft und habe mich beschwert. Ich war scheinbar nicht die Erste. Die Begründung dieser Familie war, sie hätten halt ein „schwieriges Kind“. Für sowas habe ich überhaupt kein Verständnis. Den Kindern die Schuld unterschieben! Ich habe auch zwei Kinder und eins davon hat ADHS. Und trotzdem bringe ich ihnen bei, Rücksicht auf andere zu nehmen. Sie sind nicht alleine auf dieser Welt. Ganz ehrlich, das ist sehr anstrengend und bedeutet, sich aktiv mit dem Kind zu beschäftigen. Nicht einfach abschieben und sich selber überlassen mit der bescheuerten Begründung, es ist halt schwierig! Pfft!

Naja. Unsre Jungs waren so fasziniert und hatten diesen „oh, ein Unfall, ich kann nicht wegsehen“-Effekt. Im Restaurant wurde das Fonduerechaud vom Tisch gefegt, die Mutter machte sich nicht mal die Mühe aufzustehen und dem Kellner beim Wegräumen zu helfen. Sowas sind für mich echt Arschlochmenschen!

Am dritten Tag gingen wir alle 4 Schneewandern. Alle, ausser meinem Mann, hassen Wandern. Die ersten 200 Höhenmeter wurden von verschiedenem Gestöhne und Gejammer begleitet. Nach der Mittagspause mit Proviant an der wunderbaren Mittagssonne wurde dann behauptet, Schneewandern sei so toll und es macht so viel Spass. Bis es wieder an die nächsten Höhenmeter ging. Chrchr. Der Abstieg war dafür rasant. Mit tiefroten Backen ging es wieder ins Hotel zurück. Zur grossen Überraschung waren unsre Arschlochnachbarn tatsächlich etwas leiser.

Am vierten Tag ging es dann aber auch schon wieder nach Hause. Ich hatte das Gefühl, wir würden kein Shuttle brauchen und holte das Auto. Weil ich doch so wahnsinnig schlau bin, nicht, fuhr ich das Auto die steile und vereiste Hoteleinfahrt rückwärts runter. Nachdem wir das Auto wieder randvoll geladen haben, kamen wir kein Stück weiter. Das Auto hatte keine Chance da wegzukommen. Also mussten wir Schneeketten montieren. Zum Glück hat eine junge Frau angeboten, uns zu helfen, weil sie gerade bei einem Kurs das lernen musste! Und so kamen wir tatsächlich wieder hoch. Vorher, noch auf dem Parkplatz beim Dorfeingang, musste ich sehr über dieses Auto lachen. Ein riesiger Amischlitten (Dodge) mit diesem Aufkleber. Naja, ich hätte es in diesem Moment gerne gehabt…Karma Baby.

Trotz der blöden Zimmernachbarn hatten wir sehr schöne Familientage. Manchmal ist es sehr schön auf einem kleinen Raum zusammen zu sein. Ich habe es sehr genossen, alleine zu sein und trotzdem so viel Zeit mit der Familie zu verbringen.

Vielleicht sollte ich nicht mehr spontan sein und jetzt schon die Skiferien für das nächste Jahr buchen?

Dann schreibe ich Sie krank

Dann schreibe ich Sie sofort krank

War der Satz meines Neurologen von vor ein paar Tagen!

Aber schön von Anfang an:

Vor genau zwei Wochen hat mir mein Körper einen ordentlichen Schrecken eingejagt. Seit Oktober ist im Büro die Hölle los und ich arbeite viel mehr als ich sollte. Nichts neues, habe ich schon im Jahresrückblick geschrieben, dass ich noch immer die gleichen Fehler mache wie früher. Ich kann ja schliesslich alles hinkriegen. Und da dachte sich mein Körper: „Ha! Das kannst du sehr wohl, aber zu welchem Preis?“ Und irgendwie kann ich aus alten Gewohnheiten nicht raus.

Ich kochte also das Abendessen an einem Tag mitten in der Woche. Nichts ungewöhnliches, mache ich ja jeden Tag. Als ich im Keller die Wäsche in den Trockner gestopft habe, habe ich vom geheimen Süssigkeitenvorrat des Mannes geklaut. Mit vollem Mund an Süssigkeiten in der Küche angekommen, hatte ich die Milch vergessen. Also wollte ich Kind2 in den Keller schicken, die Milch zu holen weil ich zu faul war schon wieder die Treppe zu steigen. Und so wollte ich mit vollem Mund das Kind runter schicken. Aber ich bekam kein klares Wort heraus. Also habe ich es nochmals versucht und auch beim zweiten Versuch kam nur irgendwelches Gebrabbel aus meinem Mund. Noch immer versuchte ich die Süssigkeiten in meinem Mund zu verstecken, weil, es ist kurz vor Abendessen, die Süssigkeiten sind geklaut und ich will nicht mit K2 teilen. Also wollte ich sagen, ich hätte einen Kaugummi im Mund. Schliesslich darf K2 mit der Zahnspange keine Kaugummi mehr essen und dabei gibt es eh keine Diskussionen. Und da kam schon wieder ein Gebrabbel raus. Das Kind hat mich zuerst ausgelacht und dann aber Angst bekommen. In der Zwischenzeit hat er verstanden, dass ich die Milch brauche und ist dann in den Keller. Ich dagegen hab versucht ganz ruhig zu bleiben. Das Wort Kaugummi ganz ruhig auszusprechen und dann auch noch zu schreiben. Ich konnte es nicht buchstabieren. Die Buchstaben kamen einfach nicht der Reihe nach raus.

Nach etwa zwei bis fünf Minuten war es wieder vorbei. Ich habe die üblichen neurologischen Tests gemacht, weil, da kenne ich mich ja aus. Und als nächstes habe ich mal Hirnschlag gegoogelt. Da stand, nach einem solchen Vorfall sterben etwa 10% der Betroffenen in den nächsten 10 Tagen. Haaa haaa, netter Versuch,Google, aber du bringst mich diesmal nicht weiter!

Nachdem ich Kind1 aus seinem Musikunterricht abgeholt habe, wir zu Abend gegessen haben und die Kids im Bett waren, habe ich über den Vorfall getwittert. Und da wurde ich ziemlich beruhigt. Meine Filterbubble im Internetz rockt schon sehr-danke! Viele mit MS kannten diese Sprachausfälle und bei manchen war das eine selbstverständliche Begleiterscheinung. Es hat mich echt beruhigt, dass das nicht so aussergewöhnlich war. Wie machen das Menschen ohne Internet und ohne Austauschmöglichkeiten?

Am nächsten Tag habe ich überlegt ob ich zuerst meinen Neurologen anrufen soll oder ins Büro fahre. Hab dann vom Büro aus den Neurologen angerufen.

„Ich schreib Sie jetzt mal krank“

Und ich so: neeeeein, weil dann muss ich noch die Krankschreibung erfassen und den ganzen dazugehörigen Kram und das macht mir noch viel mehr Arbeit!

Nach den vielen Fragen vom Neuro beschlossen wir, zunächst ein EEG zu machen. Hätte seiner Meinung nach bei dieser kurzen Dauer, ein epileptischer Anfall sein können. Mir wurde also zunächst erklärt, dass wenn wir im EEG einen Verdacht auf Epilepsie finden, ich die nächsten zwei Monate nicht mehr Auto fahren darf. Haaa haaaa! Wir wohnen in einem Kaff mit sehr schlechter ÖV-Verbindung. Also hätte ich nicht mal mehr einkaufen können.

EEG zeigte glücklicherweise keine Epilepsie und das konnte ausgeschlossen werden.

Wir unterhielten uns also über verschiedene Ursachen und Möglichkeiten des kurzen Ausfalls. Mein Neurologe hat nach meinem Anruf im Blog nachgelesen und wollte sich auf den aktuellen Stand der Dinge bringen. War auch etwas erstaunt, dass ich hier nicht mehr so regelmässig schreibe obwohl er weiss, wie wichtig es mir ist. Dazu wusste er endgültig, dass ich zu viel Stress habe. Sein Leben im Internet zu teilen, kann zu Nebenwirkungen führen!

Also haben wir uns nach seiner Standpauke, was ich alles nicht machen sollte nur 20min. nach einem solchen Vorfall, auf einen Ultraschall der Hauptschlagader geeinigt.

Der Ultraschall meiner Hauptschlagader war ganz ok. Ich habe keine Verstopfung oder sowas. Eine kleine Ablagerung an einer Stelle. Wäre aber nicht so dramatisch. Also, mein Arzt hat das schon sehr dramatisch dargestellt. Ich muss auf meinen Lebenswandel achten, kein Stress, mehr Sport…und ich sollte mit meinen Lastern aufhören…mimimi

Mein Arzt meint, vermutlich sei eine alte Läsion kurz aufgeflackert. Getriggert durch Erschöpfung, Stress und zu wenig Schlaf.

Oder ich habe einen Hirnkrampf bekommen weil ich 1. die Süssigkeiten vom Mann geklaut habe 2. Kind2 mich erwischt hatte 3. ich die Süssigkeiten nicht vor dem Abendessen mit ihm teilen wollte, zack, Sprachstörung durch psychischen Druck! Haha!

Heute bin ich nicht ins Büro und habe mir den Tag frei genommen. Das Wetter ist toll und es fühlt sich schon irgendwie nach Frühling an. Zum Glück kann man Emails und Co. auch von zu Hause aus beantworten!

Ja Körper, ich habe es schon verstanden. Du hast mir auch einen gehörigen Schrecken eingejagt, das muss ich schon zugeben. Könnt ihr euch überhaupt vorstellen, wie sich so etwas anfühlt und wie hilflos man dabei ist!?

Wenn ich übermütig werde und das Gefühl habe, meine MS ist in einer alten Mottenkiste am Überwintern, bekomme ich meistens eine Klatsche! Ich bin schon sehr froh darüber, dass die Klatsche so ausgefallen ist, wie sie halt war. Danach habe ich spontan, Kurzferien mit meinen Jungs gebucht. Puh.

Jahresrückblick 2017 – Vorschau 2018

Ein Jahresrückblick 2017

Hätte ich einen Jahresrückblick geschrieben, wäre das zusammenfassend so ausgefallen:

  • zu wenig Zeit
  • zu anstrengend
  • zu aufregend
  • vieles neu
  • und wieder zu wenig Zeit für alles
  • Achtsamkeit liegt mir nicht
  • meine MS ist noch immer da
  • und, hell yeah, ich kann es noch immer rocken

Und bei näherem Hinsehen kann ich diese Punkte positiv wie auch negativ bewerten. Ja, das liegt in meiner Natur und ich mach das wirklich nicht absichtlich. Aber, irgendwas in meinem Inneren macht, dass mir die Sonne aus dem Hintern scheint. Oder aus den Ohren. Ich hab da kein Rezept dafür, es passiert halt einfach so.

Ich habe u.a. im 2017

  • viele neue Projekte als selbständiges MS-Girl-Boss gemacht
  • dabei so viele tolle Menschen kennen gelernt
  • mich in Gebiete voller Selbstverständlichkeit und Überzeugung gestürzt, obwohl ich keine Ahnung davon hatte
  • meine Komfortzone mehrmals verlassen
  • mich Kopfüber in irgendwas gestürzt, ohne Plan oder Sicherheitsnetz
  • einen Job angefangen, von dem ich keine Ahnung hatte
  • meinen Kindern gesagt, dass ich keine Zeit für etwas habe weil ich arbeiten muss. Dabei ist weder jemand gestorben oder ist sofort verhaltensauffällig geworden
  • Rückschläge erlebt
  • nicht aufgegeben
  • mehr gemacht als für mich gut gewesen wäre
  • nicht auf meinen Körper gehört
  • hatte Angst vor meiner MS und hab versucht den Kopf in den Sand zu stecken
  • festgestellt, dass ich immer wieder die gleichen Fehler mache
  • zu wenig „Arsch“ gewesen
  • zu ehrlich
  • zu gutmütig
  • vielleicht ist Achtsamkeit wirklich nichts für mich
  • mich im Strudel verloren und es gerade noch rechtzeitig gemerkt
  • habe eingesehen, dass mit MS doch nicht alles so einfach geht wie ich es gerne hätte
  • ich wurde „zynisch“ genannt und hab darüber nachgedacht
  • sehr wenig gebloggt und mich darüber geärgert
  • beinahe dieses „alles hinschmeissen und Prinzessin werden“
  • mein normales Leben vermisst

FAZIT: mein letztes Jahr habe ich auf Überholspur verbracht. Das war nicht immer gut und glücklich hat es mich auch nicht immer gemacht. Es ist alles so schrecklich schnell an mir vorbeigedonnert, so dass ich noch immer das Gefühl habe, hinterher zu hinken und immer im letzten Moment, doch den Anschluss zu verpassen.

Hallo neues Jahr!

Ich hasse diese Tage zwischen den Jahren. Ich hasse Silvester. Und nein, ich übertreibe nicht künstlich. Ich hasse es tatsächlich. Dieses neue Jahr, welches jungfräulich, wie ein unbeschriebenes, weisses Blatt Papier vor einem steht. Man kann nicht ausweichen, nicht davon laufen. All diese Erwartungen und Hoffnungen die damit suggeriert werden. Dabei hast du keine Wahl, egal ob du bereit bist dafür oder nicht. Und dann diese Erwartungshaltung – puh – macht mich leicht unentspannt. Gerne würde ich sagen, ach, lasst mich mit diesem Gedöns, ich bin noch nicht soweit – weil – ich kann nicht steuern was kommt und das macht mich nervös!

Oder kann ich es doch?

Heute, am 01.01.2018 fühle ich mich irgendwie anders. Vielleicht liegt es daran, dass ich seit Monaten den Alkohol nicht mehr merke oder es ist die Weisheit, die sich mit dem Alter einstellt. Im 2018 wird schliesslich das letzte Jahr sein mit einer 3 am Anfang meiner Geburtstagszahl. Ich bin tiefenentspannt. Die Kinder sind tiefenentspannt. Das Haus versinkt unter Bergen von Lego, die Weihnachtsdeko steht noch herum und staubt vor sich hin, die Wäscheberge weinen leise. Wir haben mit Freunden einen sehr schönen Abend verbracht. Ich habe keinen Kater. Die Kinder möchten ausnahmsweise nicht das Neujahreskonzert sehen. Draussen fühlt es sich an wie Frühling. Und alles ist gut, so wie es ist.

Keine Vorsätze, keine Erwartung

Im letzten Jahr habe ich mein Glücksprojekt gemacht (hier z.B. der März). Mir für jeden Monat verschiedene Ziele gesetzt. Zuerst hat es super gut funktioniert, bis dann nach den Sommerferien keine Zeit mehr dafür war. Ich gehe ins 2018 nun ohne Erwartungen. Das Blatt ist noch weiss und unbeschrieben. Und eigentlich mag ich doch Neubeginne, warum sollte ich nicht ins neue Jahr so gehen? Ich muss nicht auf der gleichen Welle surfen wie andere und das ist völlig ok. so.

Einige der oben erwähnten Punkte, die schreien danach, geändert zu werden. Ich freue mich zunächst an der gewonnen Erkenntnis, denn die ist immer der erste Schritt.

Weniger trinken – Mehr Sport machen – Rausgehen wenn die Sonne scheint? Einen Scheiss muss ich! Dieses Buch hat mir meine Freundin gestern für das 2018 geschenkt. Der Titel beschreibt alles was ich zum neuen Jahr sagen möchte.

Selbsterkenntnis

Vor einigen Tagen war auf Instagram eine lustige Aktion, man sollte die liebsten Fotos von seinen liebsten Instamenschen posten. Dort hat mich Claudia vom Blog memyselfandmyms getaggt und etwa so (ich kann mich nicht mehr an die genaue Wortwahl erinnern) geschrieben: sie würde meine zynische Art mögen und findet meine MS-Aufklärungsarbeit wertvoll.

Ich habe mich sehr gefreut und dennoch hat dieser Satz etwas ins Rollen gebracht und mich darüber nachdenken lassen. Bin ich zynisch? Ja, ich bin vermutlich schon zynisch zur Welt gekommen. Ist das schlecht? Nein. Werde ich es ändern? Nein. Ganz im Gegenteil, mein Zynismus hilft mir durch den täglichen Wahnsinn. Durch das Chaos um mich herum und in meinem Kopf. Ich werde also auch im 2018 eine Portion Zynismus dabei haben. Und ich werde auch weiterhin viel über mich lachen. Lachen ist die beste Medizin. Und ich werde versuchen, nicht alles so ernst zu nehmen. Ich werde versuchen, etwas mehr „Arsch“ zu sein und nicht allen (ausser mir) gefallen zu wollen.

So ihr kommenden 365 Tage, zeigt was ihr drauf habt!

Kind1 hat dieses Buch zu Weihnachten bekommen und ich finde, so soll auch mein 2018 werden. Eine Reise zu 360 rätselhaften Orten der Welt – kuriose Welt. Das Leben ist voller Wahnsinn, jeden Tag aufs Neue.

Ich danke euch tollen Internez-Menschen für das vergangene Jahr. Ihr habt einen sehr grossen und lustigen Brocken dazu beigetragen. Ich habe sehr viele von euch ins Herz geschlossen und bin dankbar, euch kennengelernt und einige auch persönlich getroffen zu haben. Jetzt rocken wir das neue Jahr. Es ist noch so rein und frisch…

Alles Liebe ❤

WMDEDGT 12/17

WasMachstDuEigentlichDenGanzenTag Tagebuchbloggen bei Frau Bruellen

Dienstag, 05.12.2017

Hach, das gute alte Tagebuchbloggen! Einfach den Tag nieder schreiben ohne Google zu fragen ob das die Leser auch lesen werden wollen. Chrchr. Um 06:30 steh ich auf. Ich habe sozusagen ausgeschlafen weil ich mal nicht ins Büro gehe. Eigentlich bin ich schon seit vor 6:00 wach weil der Mann so einen Lärm veranstaltet hat. Ich sag nur „Godzilla“ oder „Jeti“, jedenfalls etwas, was wahnsinnig herumstampft. Egal, Schlaf wird sowieso überbewertet. Seit letztem Abend habe ich ziemlich fiese Bauchschmerzen. Als ich wach werde, merke ich, dass die eigentlich noch immer da sind. Wird aber wohl doch keine Magendarm-Geschichte werden. Puh. Oder die Geschichte hat mich nur gestreift. Es hustet aus dem Kinderzimmer und ich tue so als ob ich es nicht höre. Das wird sicherlich auch nur so eine Streifgeschichte werden. Hoffentlich.

Um 7:00 sind wir mit dem Frühstück fertig. Die Kinder üben noch ihre Musikinstrumente. K1 kommt auf die Idee, seine Klassische Gitarre neu zu bespannen. Super Timing. Nicht.

Um 7:30 gehen die Kinder aus dem Haus. Ich räume den Geschirrspüler ein und lasse ihn laufen. Die Wäsche aus der Maschine in den Trockner und lasse die nächste Ladung laufen. Räume noch etwas das Wohnzimmer auf und gehe duschen.

Um 8:30 will ich einkaufen, aber das Auto ist dermassen eingefroren, dass ich die Frontscheibe fast nicht kratzen kann. Oder so in 3mm Feinstarbeit. Also lasse ich das Auto mit volle Pulle Heizung laufen obwohl es jammert und mich erinnert, dass es nicht im Leerlauf laufen möchte. Tja. In dieser Zeit rufe ich meinen kleinen Bruder an und gratuliere ihm zum Geburtstag. Erschreckenderweise wird er immer älter, hmm, also, ich aber nicht.

Nach dem Einkauf gehts gleich zum 10:00 Uhr Termin in die Arztpraxis. Meine Blutkontrolle steht an.

Im Wartezimmer checkt sich mein Smartphone sofort ins WiFi ein, ist wie nach Hause kommen. Nur anders. Ich checke meine Emails und lese die eingegangenen Bewerbungen durch.

Im Labor zeige ich wie gewünscht meine Arme und die Assistentin fragt, wo man denn normalerweise bei mir sticht. Das ist „normalerweise“ immer ein schlechtes Zeichen. Trotzdem trifft sie die Vene beim ersten Versuch. Doch plötzlich hört das Blut auf zu laufen. Sie stochert noch ein wenig herum, bekommt eine etwas zittrige Hand und schon schiesst ein herrlicher Strahl feinstes Blut in das Röhrchen. Ich frage mich, wie ich eigentlich fallen könnte, falls ich umkippen würde. Natürlich mach ich das nicht…hohoho…Kreislauf ist trotzdem irgendwie naja. Nach der Blutabnahme folgt noch die Vitamin B12 Spritze und die Erklärung, dass es denn brennt. Ich weiss.

Danach fahre ich nach Hause.

Einkäufe einräumen, Trockner leeren, nächste Wäscheladung laufen lassen, Wäsche zusammen legen, endlich mit meiner Freundin telefonieren, Geschirrspüler ausräumen, Emails checken, Mittagessen kochen.

12:00 trudeln die Kids ein und wir essen zusammen. Danach haben sie bis 13:15 Mittagsstunde. Um 13:20 gehen sie zur Schule und um 13:30 kommt meine Haushaltshilfe.

Ich fahre ins Büro und lass mir da erstmal einen Kaffee raus. Nachdem die Rapportierungen ausgedruckt sind, unterhalte ich mich noch mit einem Mitarbeiter. Dass der Lohn letzte Woche 2x ausbezahlt wurde, ist tatsächlich ein Systemfehler. Ich hab also umsonst den Kopf hingehalten. 15:15 fahre ich wieder los weil Kinder um 15:25 Schulaus haben und ich mind. 25min. habe, ohne Stau.

Kindern was zu Essen geben und quatschen. K1 fällt auf, dass er seinen Schulthek in der Schule vergessen hat. Also schicke ich ihn wieder in die Schule. In der Zwischenzeit hat K2 das Paket seiner Patentante aufgemacht. Das Kind im Schokoladenhimmel! Er sortiert nach Farben, zählt und beschliesst, dass die Schokoladentaler von uns allen gegessen werden dürfen. Aber bitte nur zwei pro Tag.

K1 kommt mit den Hausaufgaben nach Hause und fängt an. In der Zwischenzeit korrigiere ich den Grossteil der Rapportierungen. 16:30 die Haushaltshilfe ist fertig und geht.

Um 17:30 höre ich auf zu arbeiten und mache ein schnelles Abendessen. Gegen 18:15 ist der Mann zu Hause.

Eine der Hausaufgaben der beiden Jungs ist ein Blatt mit verschiedenen „Nettigkeiten“ drauf. Jeden Tag müssen sie etwas von diesem Blatt erledigen. Bei 1x Tisch decken und 1x Abwaschen sind sie etwas ratlos, sie müssen das ja täglich machen, was sollen sie denn da rein schreiben. Und überhaupt, müssen das nicht sowieso alle Kinder machen?

Um 19:00 korrigiere ich die letzten Sachen. Checke Mails und weitere Bewerbungen die eingegangen sind.

19:30 bin ich fertig. Der Mann erledigt noch die letzte Ladung Wäsche. Werde ich irgendwann noch zusammen legen.

20:00 die Jungs gehen ins Bett. Gegen 20:15 krieche ich auch hoch nachdem K2 bestätigt hat, dass ich die schönste und beste Mutter der Welt bin. Die leckerste Gemüsesuppe der Welt koche (er hat 3 Löffel gegessen) und er mich wirklich, wirklich lieb hat und ohne meinen Gutenachtkuss nicht schlafen kann. Als ob ich ihn jemals ohne Gutenachtkuss hab einschlafen lassen.

20:40 komme ich runter und ich überlege vielleicht ein Entspannungsbad zu nehmen weil mir so kalt ist. Die Katze erinnert mich daran, dass sie ihr Leckerli noch nicht auf dem Sofa bekommen hat. Pflatsch. Ich begehe den fatalen Fehler und leg mich auf das Sofa-ich werde mich die nächsten zwei Jahre nicht mehr von hier weg bewegen!

Bei Twitter nachsehen, was denn so alles passiert und was die Menschen vom Internet machen. Bei Frau Bruellen vom #wmdedgt lesen und beschliessen, meinen Tag nieder zu schreiben.

Gute Nacht ❤